Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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140⁰

Dann, als ſie ſich wieber erhob, wiſchte die junge Frau ihre von Thränen gerötheten Augen ab, während die Königin ihrerſeits in ihr Zimmer zurückkehrte.

Andrée, im Gegentheil, als ob ſie ſich ſelbſt hätte entweichen wollen, entfernte ſich raſch.

Von dieſem Augenblick an blieb die Königin allein. Als die Dame vom Bettdienſt eintrat, um ihr ſich aus⸗ kleiden zu helfen, fand ſie Marie Antvinette mit fun⸗ kelnden Augen und mit großen Schritten im Zimmer auf und abgehend.

Sie machte mit der Hand eine raſche Geberde, welche beſagen wollte: Laſſen Sie mich.

Die Dame vom Bettvienſt entfernte ſich ſogleich wieder.

Nun war die Königin ganz allein; ſie hatte ver⸗ boten, ſie zu ſtören, wäre es nicht wegen wichtiger, von Paris eintreffender Nachrichten.

Andrée erſchien nicht wieder.

Was den König betrifft, ſo erklärte er, nachdem er ſich mit Herrn de la Rochefoucault unterhalten hatte, der ihm den Unterſchied, welcher zwiſchen einem Aufruhr und einer Revolution obwalte, begreiflich zu machen ſuchte, er erklärte, er ſei müde, legte ſich nieder und entſchlummerte, nicht mehr und nicht minder ruhig, als wenn er auf der Jagd geweſen wäre und der Hirſch (ein wohl dreſſirter Hofmann) ſich hätte im Schweizer⸗ Teich fangen laſſen.

Die Königin ſchrieb ein paar Briefe, ging in das nächſte Zimmer, wo ihre zwei Kinder unter der Obhut

von Frau von Jourzel ſchliefen, und legte ſich zu Bette,

nicht um zu ſchlafen, wie der König, ſondern, um nach ihrem Gefallen zu träumen.

Doch bald, als die Stille Verſailles in Beſitz ge⸗ nommen hatte, als der ungeheure Palaſt in Finſterniß getaucht war, als man in der Tiefe der Gärten nur noch die auf dem Sande krachenden Tritte der Pa⸗ trouillen, in den langen Corridors nur noch den ſachte

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