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Ludwig XVI., der ſeinem Kammerdiener für die Nacht Befehle gab.
„Der König! Madame!“ ſagte Andrée, während ſie mehrere Schritte rückwärts that;„der König!“
„Nun! ja, der König!“ erwiederte Marie Antoi⸗ nette.„Macht er Ihnen dergeſtalt bange?“
„Madame, in des Himmels Namen,“ rief Andrée, „daß ich den König nicht ſehe, daß ich mich ihm wenig⸗ ſtens heute Abend nicht gegenüber finde; ich würde vor Scham ſterben.“
„Aber Sie werden mir doch ſagen...“
„Alles, Alles, wenn es Eure Majeſtät verlangt. Doch verbergen Sie mich.“
„Treten Sie in mein Boudoir ein,“ ſprach Marie Antvinette, Sie werden es verlaſſen, ſobald der König weggegangen iſt. Seien Sie unbeſorgt, Ihre Gefangen⸗ ſchaft wird nicht lange währen; der König bleibt nie lange hier.“
„Oh! Dank! Dank!“ rief die Marquiſe.
Und ſie eilte in das Boudoir und verſchwand in dem Augenblick, wo der König, die Thüre öffnend, auf der Schwelle des Zimmers erſchien.
Der König trat ein.
XXX.
An was der König in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 1789 dachte.
Wie lange dieſe Unterredung dauerte, vermöchten wir nicht zu ſagen, ſie verlängerte ſich indeſſen, denn erſt gegen eilf ühr Abends konnte man die Thüre des Boudvir der Königin ſich öffnen und auf der Thür⸗ ſchwelle Andrée beinahe auf den Knieen die Hand von Marie Antvinette küſſend ſehen.


