Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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ihres Willens, als durch die Wirkſamkeit der Pflege zu ſich, die ſie von einer königlichen Hand erhielt.

Es waltete in der That etwas Seltſames zwiſchen dieſen zwei Frauen ob. Die Königin ſchien Andrée wohlgewogen zu ſein, Andrée hegte eine tiefe Ehr⸗ furcht für die Königin, und nichtsdeſtoweniger ſchienen ſie in gewiſſen Augenblicken, nicht eine wohlgewogene Fönigin, nicht eine ergebene Dienerin, ſondern zwei Feindinnen zu ſein.

Ihr allmächtiger Wille hatte auch, wie geſagt, Andrée bald ihre Stärke wieder gegeben. Sie erhob ſich, ſchob ehrerbietig die Hand der Königin auf die Seite, neigte den Kopf vor ihr und ſagte:

Eure Majeſtät hat erlaubt, daß ich mich in mein Zimmer zurückziehe.

Ja, allerdings, und Sie ſind immer frei, liebe Gräfin, Sie wiſſen es wohl: die Etiquette iſt nicht für Sie gemacht. Aber haben Sie mir nicht etwas zu ſagen, ehe Sie ſich entfernen?

Ich, Madame?

Allerdings Sie.

Nein; in welcher Beziehung?

In Beziehung auf Herrn Gilbert, deſſen Anblick einen ſo ſtarken Eindruck auf Sie gemacht hat.

Andrée bebte, ſchüttelte aber nur, ein Leugnen be⸗ zeichnend, den Kopf.

Dann halte ich Sie nicht zurück, liebe Gräfin, Sie ſind frei.

Und die Königin machte einen Schritt, um in das

an ihr Zimmer anſtoßende Cabinet zu gehen.

Andrée aber ſchritt, nachdem ſie vor der Königin eine tadelloſe Verneigung gemacht hatte, auf die Aus⸗ gangsthüre zu.

Doch in dem Augenblick, wo ſie öffnen wollte, erſchollen Tritte im Corrivor, und eine Hand legte ſich auf den äußeren Drücker der Thüre.

Zu gleicher Zeit vernahm man die Stimme von