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„Vollkommen.“ „Dann will ich Sie um Eines bitten, Herr Graf,“ ſagte die Königin.
„Madame, ich bin zu den Befehlen Eurer Maje⸗
ät. „Suchen Sie die Herren von Bezenval, von Broglie und von Lambeseg auf, ſagen Sie ihnen, fie ſollen ihre Truppen in ihren gegenwärtigen Stellungen cantoniren laſſen, der König werde morgen im Rathe ſehen, was zu thun iſt.“
Der Graf verbeugte ſich, doch im Begriff, wegzu⸗ gehen, warf er einen letzten Blick auf Andrée.
Dieſer Blick war voll liebreicher Beſorgniß.
Er entging der Königin nicht.
„Gräfin,“ ſagte ſie,„kehren Sie nicht mit mir zum König zurück?“
„Nein, Madame, nein,“ antwortete Andrée lebhaft.
„Warum nicht?“
„Ich bitte Eure Majeſtät um Erlaubniß, mich in meine Wohnung zurückziehen zu dürfen; die Gemüths⸗ bewegungen, die ich erlitten habe, laſſen mich das Be⸗ dürfniß nach Ruhe fühlen.“
„Seien Sie offenherzig, Gräfin,“ ſagte Marie Antvinette,„haben Sie etwas mit dem König?“
„Oh! nichts, Madame, durchaus nichts.“
„Oh! ſprechen Sie, wenn dies der Fall iſt. Der König ſchont meine Freunde nicht immer.“
„Der König iſt, wie gewöhnlich, voll Güte gegen mich, aber..“
„Aber es iſt Ihnen ebenſo lieb, ihn nicht zu ſehen, nicht wahr? Es ſteckt offenbar etwas dahinter, Graf,“ ſagte die Königin mit einer geheuchelten Heiterkeit.
In dieſem Augenblick ſchaute Andrée die Königin ſo ausdrucksvoll, ſo flehend, ſo voll von Offenbarungen an, daß Marie Antoinette begriff, es ſei Zeit, dieſen kleinen Krieg zu endigen.
„In der That, Gräfin,“ ſagte ſie,„laſſen wir


