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Frau, die bei dem unſeligen Namen ſo gewaltig ver⸗ ſtört ausgeſehen hatte, wieder ihre Reinheit und Ruhe an, und nur einige Muskeln dieſes ſchönen Geſichts bebten noch fort, wie wenn am Horizont die letzten Scheine des Sturms verſchwinden.
„Gilbert,“ wiederholte ſie,„ich weiß es nicht.“
„Ja, Gilbert,“ ſagte die Königin.„Suchen Sie, meine liebe Andrée“
„Aber, Madame,“ ſprach der Graf zu Marie An⸗ toinette,„wenn das nur Zufall und dieſer Name der Gräfin ganz fremd iſt?“
„Nein.“ erwiederte Andrée;„nein, er iſt mir nicht fremd. Es iſt der eines gelehrten Mannes, eines ge⸗ ſchickten Arztes, welcher, glaube ich, von Amerika ankommt und dort mit Heirn von Lafayette in Verbindung ſtand.“
„Nun?“ fragte der Graf.
„Nun! wiederholte Andrée auf eine vollkommen natürliche Weiſe,„ich kenne ihn nicht perſönlich, aber es ſoll ein ſehr ehrenwerther Mann ſein.“
„Warum dann dieſe Bewegung, liebe Gräfin?“ fragte die Königin.
„Dieſe Bewegung? Bin ich bewegt geweſen?“
„Ja, es war, als empfänden Sie, indem Sie die⸗ ſen Namen ausſprachen, eine Qual.“
„Das iſt möglich; vernehmen Sie, was geſchehen iſt; ich traf im Cabinet des Königs einen ſchwarz ge⸗ kleideten Mann, einen Mann mit ſtrengem Geſicht, der von düſteren, erſchrecklichen Dingen ſprach; er erzählte mit einer gräßlichen Wirklichfeit die Ermordungen von Herrn de Launay und von Herrn von Fleſſelles. Ich bin darüber erſchrocken und in Ohnmacht gefallen, wie Sie geſehen. Dann habe ich vielleicht geſprochen; dann habe ich vielleicht den Namen von dieſem Herrn Gil⸗ bert genannt.“
„Das iſt möglich,“ wiederholte Herr von Charny, offenbar geneigt, das Verhör nicht weiter zu freiben; „doch zu dieſer Stunde ſind Sie beruhigt, nicht wahr?“


