133 Charnh fühlte die unter dieſen Worten verborgene
Eiferſucht.
„Oh! Madame,“ ſagte er,„ich bin feſt überzeugt, daß die Gräfin noch mehr für ihre Fürſtin, als für mich bange hat.“
„Aber warum und wie haben wir Sie ohnmächtig in dieſem Cabinet gefunden, Gräfin?“ fragte Marie Antvinette.
„Oh! es wäre mir unmöglich, das zu erzählen, Madame. Ich weiß es ſelbſt nicht; doch bei dieſem Leben der Beſchwerlichkeiten, der Schrecken und der Gemüthsbewegungen, das wir ſeit drei Tagen führen, iſt, wie mir ſcheint, nichts natürlicher, als die Ohn⸗ macht einer Frau.“
„Das iſt wahr,“ murmelte die Königin, welche bemerkte, daß Andrse nicht in ihrer Zurückhaltung gezwungen werden wollte.
„Aber,“ ſprach Andréemit der ſeltſamen Ruhe, welche ſie nicht verließ, ſobald ſie wieder Herrin ihres Willens geworden war, und die in ſchwierigen Umſtänden um ſo peinlicher wurde, als man leicht ſah, ſie ſei nur Maske und bedecke völlig menſchliche Gefühle,„aber Eure Majeſtät hat ganz feuchte Augen.“
Und diesmal glaubte der Graf in den Worten ſeiner Fran den ironiſchen Ausdruck zu finden, den er einen Augenblick zuvor in den Worten der Königin bemerkt hatte.
„Madame,“ ſagte er zu Andrée mit einer leichten Strenge, bei der man fühlte, daß ſeine Stimme nicht daran gewöhnt war,„man darf ſich nicht wundern, daß die Königin Thränen in den Augen hat; die Königin liebt ihr Volt, und das Blut des Volkes iſt gefloſſen.“
„Gott hat zum Glück das Ihrige verſchont, mein Herr,“ verſetzte Andrée, immer gleich kalt, immer gleich unerforſchlich.
„Ja, doch es handelt ſich nicht um Ihre Majeſtät, ſondern um Sie, Madame; fommen wit alſo auf Sie zurück, die Königin erlaubt es?“


