Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
Einzelbild herunterladen

112

räuſchen erfüllt, in der Phyſiognomie der Höflinge, welche bleich und ernſt ſind. Nein! nein! Graf, zum erſten Mal in Ihrem Leben ſagen Sie mir nicht die Wahrheit.

Der Graf ſchaute die Königin an.

Ja, ja, ſagte ſie,nicht wahr, Sie, der Sie mich als muthig kennen, Sie erſtaunen? Oh! Sie find mit Ihrem Erſtaunen noch nicht zu Ende!

Herr von Charnh machte eine fragende Geberde.

Sie werden ſogleich ſehen, ſagte die Königin mit einem nervöſen Lachen.

Eure Majeſtät leidet? fragte der Graf.

Nein, mein Herr, ſetzen Sie ſich zu mir, und

nicht ein Wort mehr über dieſe abſcheuliche Politik... Machen Sie, daß ich vergeſſe.

Der Braf gehorchte mit einem traurigen Lächeln⸗

Marie Antoinette legte ihre Hand auf ſeine Stirne.

Ihre Stirne glüht, ſagte ſie.

Ja, ich habe einen Vulcan im Kopf.

Ihre Hand iſt eiskalt.

ünd ſie drückte die Hand des Grafen in ihren Händen.

Mein Herz iſt von der Kälte des Todes berührt, ſagte er.

Armer Olivier, ich ſagte es Ihnen wohl, ver⸗ geſſen wir. Ich bin nicht mehr Königin; ich bin nicht mehr bedroht; ich bin nicht mehr gehaßt! Nein, ich bin nicht mehr Königin: ich bin Weib. Was iſt das Weltall für mich? Ein Herz, das mich liebt, das würde mir genügen.

Der Graf kniete vor der Königin nieder und küßte ihr die Füße mit jener Ehrfurcht, welche die Aegypter für die Göttin Ifis hegten.

Oh! Graf, mein einziger Freund, ſprach die Königin, während ſie ihn ſuchte,wiſſen Sie, was mir die Herzogin Diana that?