Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Madame, um zu reiſen, um Sie zu verlaſſen, ſind fünfzig Meilen eben ſo ſchmerzlich, als fünfhundert.

Sie gehen alſo in's Ausland?

Ach! ja, Madame.

Ein Seufzer zerriß das Herz der Königin, kam aber nicht über ihre Lippen.

Und wohin gehen Sie!

An den Rhein, Madame.

Gut. Sie ſprechen Deutſch, Herzogin, ſagte

die Königin mit einem unbeſchreiblich traurigen Lächeln, und ich habe es Sie gelehrt. Die Freundſchaft Ihrer Königin wird Ihnen wenigſtens zu etwas genützt haben, und das macht mich glücklich.

t wandte ſie ſich an die Gräfin Jules und prach:

Ich will Sie nicht trennen, meine liebe Gräfin. Sie wünſchen, zu bleiben, und ich ſchätze dieſen Wunſch. Aber ich, ich, die ich für Sie fürchte, will, daß Sie reiſen, ich befehle Ihnen, zu reiſen.

Und ſie hielt an dieſer Stelle inne, erſtickt durch Gemüthsbewegungen, welche ſie, trotz ihres Helden⸗ muthes, zu bewältigen vielleicht nicht die Kraft gehabt hätte, wäre nicht plötzlich die Stimme des Königs, der keinen Antheil an Allem, was wir hier erzählt, genom⸗ men, an ihr Ohr gedrungen.

Seine Majeſtät war beim Nachtiſch.

Madame, ſagte der König,es iſt Jemand bei Ihnen; man macht Sie darauf aufmerkſam.

Aber, Sire, rief die Königin, jedes andere Ge⸗ fühl, als das der königlichen Würde, abſchwörend,vor Allem haben Sie Befehle zu geben. Sehen Sie, es ſind nur drei Perſonen hier geblieben, doch das find diejenigen, mit welchen Sie zu thun haben: Herr von Lambescq, Herr von Bezenval und Herr von Broglie. Befehle, Sire, Befehle!

Der König ſchaute mit ſchwerfälligem, zögernden Auge auf.