Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Kälte und Berechnung, entſchuldbar, zu rechtfertigen, legitim vielleicht, aber entſchuldigt, rechtfertigt, legiti⸗ mirt etwas das Verlaſſen in den Augen desjenigen von zwei Weſen, welches noch liebt, während das andere zu lieben aufhört?

Marie rächte ſich für den Schmerz, den ſie empfand, nur durch den eiskalten Blick, mit welchem ſie ihre Freun⸗ din umhüllte.

Ah! Herzogin Diana, das iſt Ihre Anſicht? ſagte ſie, während ſie ihre Bruſt mit ihrer fieberhaften Hand zuſammenpreßte.

Ach! Madame, erwiederte dieſe,es iſt nicht meine Wahl, es iſt nicht mein Wille, der mir dictirt, was ich zu thun habe, es iſt das Gebot des Geſchicks.

Ja, Herzogin, ſprach Marie Antoinette. Und ſich zur Gräfin Jules umwendend:Und Sie, Gräfin, was ſagen Sie?

Die Gräfin antwortete durch eine Thräne ſo bren⸗ nend wie ein Gewiſſensbiß, doch ihre ganze Kraft hatte ſich in der Anſtrengung, die ſie gemacht, erſchöpft.

Gut, ſagte die Königin,gut; es iſt mir ſüß, zu ſehen, wie ſehr ich geliebt bin. Ich danke, meine Gräfin, ja, Sie ſind hier Gefahren preisgegeben, ja, die Wuth dieſes Volls kennt keinen Zügel; ja, Sie haben Recht, und ich allein war wahnfinnig. Sie ver⸗ langen, zu blriben, das iſt Aufopferung, aber ich nehme dieſe Aufopferung nicht an!

Die Gräfin Jules ſchlug die Augen zur Königin auf. Doch ſtatt die Ergebenheit der Freundin darin zu leſen, las die Königin nur die Schwäche des Weibes.

Herzogin, ſagte Marie Antvinette,Sie ſind alſo entſchloſſen, abzureiſen?

Und ſie legte einen beſonderen Nachdruck auf das Wort Sie.

Ja, Eure Majeſtät.

Ohne Zweifel auf eines Ihrer Güter... auf ein entferntes.. ſehr entferntes.