Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Auiorität Eurer Majeſtät nicht verdächtig ſein wird, ſie kommt von Ihrer Königlichen Hoheit Madame Adelaide, der Tante des Königs.

Welche Umſchweife, liebe Herzogin! ſagte heiter die Königin,zur Sache.

Madame, die Umſtände ſind traurig. Man hat die Gunſt, der ſich unſere Familie bei Eurer Majeſtät erfreut, ſehr übertrieben. Die Verleumdung befleckt die erhabene Freundſchaft, da Sie uns huldreich im Austauſch für unſere ehrfurchtsvolle Ergebenheit be⸗ willigen.

Nun! verſetzte die Königin mit einem Anfang von Erſtaunen,finden Sie nicht, daß ich herzhaft genug geweſen bin? habe ich nicht gegen die öffentliche Mei⸗ nung, gegen den Hof, gegen das Volk, gegen den König ſelbſt meine Freundſchaften aufrecht erhalten?

Oh! Madame, im Gegentheil, Eure Majeſtät hat ſo edelmüthig ihre Freunde in Schutz genommen, daß ſie ihre Bruſt allen Streichen entgegengeſetzt, ſo daß heute, da die Gefahr groß, furchtbar ſogar iſt, die ſo edel von Eurer Majeſtät vertheidigten Freunde feige und ſchlechte Diener wären, wenn ſie nicht ihrer Kö⸗ nigin Gleiches mit Gleichem vergelten würden.

Oh! das iſt gut, das iſt ſchön, ſagte Marie An⸗ toinette, indem ſie voll Begeiſterung die Gräfin, die ſie immer noch an ihre Bruſt gepreßt hielt, kußte und Frau von Polignac die Hand drückte.

Aber Beide erbleichten, ſtatt ſtolz das Haupt unter dieſer Liebkoſung ihrer Fürſtin zu erheben.

Madame Jules Polignac machte eine Bewegung, um ſich von den Armen der Königin loszuwinden, doch e ſie gegen ihren Willen an ihrem Herzen zurück.

Aber, ſtammelte Diana von Polignac,Eure Majeſtät begreift wohl nicht recht, was wir ihr anzu⸗ kündigen die Ehre haben, um die Schläge abzuwenden, welche ihren Thron, ihre Perſon, vielleicht wegen der