Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Während Marie Antoinette ſich alle Mühe gab, um den Enthuſiasmus anzufachen, verſchlang der König.

Die Ofſficiere fanden dieſe gaſtronomiſche Sitzung eines Abkömmlings vom heiligen Ludwig nicht würdig und bildeten Gruppen, deren Intentionen durchaus nicht ſo ehrerbietig waren, als die Umſtände es heiſchten.

Die Königin erröthete, ihre Ungeduld offenbarte ſich in allen ihren Bewegungen. Dieſe feine, ariſtokra⸗ tiſche, nervöſe Natur fonnte eine ſolche Herrſchaft der Ma⸗ terie über den Geiſt nicht begreifen. Sie näherte ſich dem König, um zum Tiſche diejenigen, welche ſich davon

entfernten, zurückzuführen.

Sire, ſagte ſte,haben Sie keine Befehle zu geben? Ah! ah! erwiederte der König mit vollem Munde, was für Befehle, Madame? Werden Sie in dieſem ſchwierigen Augenblick unſere Egeria ſein?

Und während er dieſe Worte ſprach, nahm er muthig ein junges Feldhuhn mit Trüffeln in Angriff.

Sire, ſagte die Königin,Numa war ein fried⸗ licher König. Heute aber denkt man allgemein, es ſei ein kriegeriſcher König, was wir brauchen, und wenn ſich Eure Majeſtät das Alterthum zum Muſter nehmen ſoll, ſo muß ſie, da ſie nicht Tarquinius ſein kann, Romulus ſein.

Der König lächelte mit einer Ruhe, welche an Glückſeligkeit grenzte.

Sind dieſe Herren auch kriegeriſch? fragte er.

Und er wandte ſich gegen die Officiere um, und ſein von der Hitze des Mahles belebtes Auge kam den Anweſenden von Muth glänzend vor.

Ja, Sire! riefin Alle einſtimmig,den Krieg! wir verlangen nur den Krieg! Meine Herren, meine Herren, ſprach der König, Sie machen mir in der That das größte Vergnügen, indem Sie mir beweiſen, daß ich bei Gelegenheit auf Sie zählen könnte. Aber ich habe für den Augenblick

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