Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Dann wandte er ſich gegen Herrn von Lambescq um und ſagte zu ihm:

Sind Sie nicht meiner Anſicht, Prinz? Das Volk hat Morde begangen.

Die es leider Repreſſalien nennt, verſetzte halb laut eine ſanfte, friſche Stimme, bei deren Ton ſich die Königin umwandte.

Sie haben Recht, Prinzeſſin, gerade darin beſteht ſein Irrthum, meine liebe Lamballe; wir werden auch nachſichtig ſein.

Doch, verſetzte die Prinzeſſin mit ihrer ſchüch⸗ ternen Stimme,doch ehe man ſich fragt, ob man be⸗ ſtrafen ſoll, müßte man, glaube ich, fragen, ob man werde ſiegen können.

Ein allgemeiner Schrei brach los, ein Schrei der Proteſtation gegen die Wahrheit, welche aus dieſem edeln Munde gekommen.

Siegen! Und die Schweizer? ſagte der Eine.

Und die Deutſchen? ſagte der Andere.

Und die Gardes⸗du⸗corps? ſagte der Dritte.

Man zweifelt am Heer und am Adel! rief ein junger Mann, der die Uniform eines Lieutenant der Huſaren von Berchigny trug.Haben wir dieſe Schmach verdient? Bedenken Sie, Madame, daß ſchon morgen, wenn er will, der König vierzigtauſend Mann aufſtellen, dieſe vierzigtauſend Mann nach Paris werfen und Paris zerſtören kann. Bedenken Sie, daß vierzigtanſend Mann ergebene Truppen ſo viel werth find, als eine halbe Million empörte Pariſer.

Der junge Mann, der ſo geſprochen, hatte ohne

Zweifel noch eine gute Anzahl ähnlicher Gründe vor⸗ 5

zubringen, doch er hielt plötzlich inne, als er ſah, daß die Königin ihre Augen auf ihn heftete; er hatte aus dem Schooße einer Gruppe von Ojficieren geſprochen und war durch ſeinen Eifer weiter fortgeriſſen worden, als ſein Grad und die Schicklichkeit es erlaubten.