Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Eil ei! ſprach leiſe die Königin, indem ſie ſich an's Ohr der Gräfin neigte,die Freundin Diana iſt eine Furchtſame.

Dann ſagte ſie laut:

Aber wo iſt denn Frau von Charny, die Uner⸗ ſchrockene! Wir bedürfen ihrer, um uns zu beruhigen, wie mir ſcheint.

Die Gräfin wollte eben wegfahren, als man ſie zum König rief, antwortete Frau von Miſery.

Ah! zum König, verſetzte zerſtreut Marie An⸗ toinette.

Nun erſt bemerkte ſie das ſeltſame Stillſchweigen, das ſich um ſie her gebildet hatte.

Die unerhörten, unglaublichen Ereigniſſe, von denen die Nachrichten nach und nach wie verdoppelte Schläge nach Verſailles gelangt waren, hatten die feſteſten Herzen vielleicht mehr noch durch das Erſtau⸗ nen, als durch die Furcht enimuthigt.

Die Königin ſah ein, daß es wichtig war, alle dieſe niedergeſchlagenen Geiſter wieder aufzurichten.

Niemand gibt mir einen Rath? ſagte ſie.Gut! ich werde mich bei mir ſelbſt Raths erholen.

Alle traten näher zu Marie Antoinette.

Das Volk. ſprach ſie,iſt nicht böſe, es iſt nur irre geführt. Es haßt uns, weil es uns nicht kennt. Nähern wir uns ihm.

Um es dann zu beſtrafen, denn es hat an ſeinen Gebietern gezweifelt, und das iſt ein Verbrechen.

Die Königin ſah nach der Seite, woher die Stimme

kam, und erkannte Herrn von Bezenval.

Oh! Sie ſind es, Herr Baron; wollen Sie uns einen guten Rath geben?

Der Rath iſt gegeben, ſagte Herr von Bezenval, ſich verbeugend.

Es ſei; der König wird beſtrafen, doch als ein guter Vater.

Wer gut liebt, züchtigt gut, verſetzte der Baron.