Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Ein neues Gemurmel, doch diesmal ein beifälliges, empfing die Worte der Königin.

Sie wandte ſich um, umfaßte mit dem Blick den Kreis, der ſie umgab, und ſuchte unter allen dieſen flammenden Augen diejenigen, welche am meiſten flamm⸗ ten, im Glauben, darin am meiſten Treue zu leſen.

Nichts! wiederholte der Prinz,denn wenn man den Pariſer ſich heſänftigen läßt, ſo wird er ſich auch beſänftigen; er iſt nur kriegeriſch, ſobald man ihn auf das Aenßerſte treibt. Warum ihm die Ehre eines Streites erweiſen, warum die Wechſelfälle eines Kam⸗ pfes wagen? Verhalten wir uns ruhig, und in drei Tagen wird von nichts mehr in Paris die Rede ſein.

Aber die Baſtille, mein Herr?

Die Baſtille! man verſchließt ihre Thore, und diejenigen, welche ſie eingenommen haben, werden ge⸗ fangen ſein.

Es wurde etwas wie ein zitterndes Lachen unter der ſchweigſamen Gruppe hörbar.

Die Königin ſprach:

Nehmen Sie ſich in Acht, Prinz, nun beruhigen Sie mich zu ſehr. Und nachvenkend, das Kinn auf ihre flache Hand geſtützt, ſuchte ſie mit dem Blick Frau von Polignac, welche, blaß und traurig, in ſich ſelbſt verſunken zu jein ſchien.

Die Gräfin hatte alle dieſe Nachrichten mit einem ſichtbaren Schrecken angehört; ſie lächelte nur, als die Königin bei ihr anhielt und ihr zulächelte, und dieſes Lächeln war noch bleich und entfärbt, wie eine ſterbende Blume.

Nun! Gräfin, fragte die Königin,was ſagen Sie zu Allem dem? 33 e

Ach! nichts, erwiederte ſie.

Nein.

Und ſie ſchüttelte den Kopf mit einem Ausdruck unſäglicher Entmuthigung.