Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Charakter, von jugendlichem Geiſt, von edlem Herzen. Dieſer König iſt nicht Ludwig XVI., Ludwig XVI., der unter ſeiner Frau regiert, unter der Oeſterreicherin mit dem ehernen Herzen; es iſt.. ſuche wohl um den Thron; ſuche dort denjenigen, welcher Frankreich wie⸗ der glücklich machen kann, und den die Königin mit Recht haßt, weil er Schatten auf das Gemälde wirft, weil er die Franzoſen liebt und von ihnen geliebt wird.

So gab ſich die Meinung in Verſailles kund, ſo brauke man überall den Bürgerkrieg.

Gilbert zog bei einigen von dieſen Gruppen Er⸗ kundigungen ein; als er ſodann den Zuſtand der Geiſter erkannt hatte, ging er gerade auf das Schloß zu, das Poſten bewachten. Gegen wen? man wußte es nicht.

Trotz aller dieſer Poſten durchſchritt Gilbert ohne

alle Schwierigkeit die erſten Höfe und gelangte bis zu

den Veſtibules, ohne daß irgend Jemand ihn fragte.

Als er in den Saal des Oeil⸗de⸗Boeuf kam, hielt ihn ein Garde⸗du⸗corps an. Gilbert zog aus ſeiner Taſche den Brief von Herrn von Necker und zeigte die Unterſchrift. Der Edelmann warf einen Blick darauf. Das Verbot war ſtreng, und da die ſtrengſten Verbote gerade diejenigen ſind, welche am meiſten der Erläu⸗ terung bedürfen, ſo ſagte der Garde⸗du⸗corps zu Gilbert:

Mein Herr, der Befehl, Niemand zum König einzulaſſen, iſt förmlich, da man aber offenbar für den Fall eines Abgeſandten von Herrn von Necker nicht vorhergeſehen hat, da Sie aller Wahrſcheinlichkeit nach Seiner Majeſtät einen wichtigen Rath bringen, ſo gehen Sie hinein, ich nehme die Uebertretung auf mich.

Gilbert trat ein.

Der König war nicht in ſeinen Gemächern, ſon⸗ dern im Berathungsſaal; er empfing hier eine Depu⸗ tation der Nationalgarde, welche von ihm die Entſer⸗