Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu laſſen, begehen ein Unrecht, wenn ſie ihre Zuflucht zu den Waffen nehmen und Blut vergießen.

Mit dieſer Erklärung ausgerüſtet, die man ſicher⸗ lich von der Nationalverſammlung erlangen wird, kann der König nicht umhin, Paris als guter Vater, das heißt ſtreng, zu züchtigen.

Und dann entfernt ſich der Sturm, das Königthum tritt in das erſte von ſeinen Rechten wieder ein. Die Völker kehren zu ihrer Pflicht zurück, welche der Ge⸗ horſam iſt, und Alles verfolgt ſeinen gewohnten Weg.

So ordnete man im Allgemeinen die Angelegen⸗ heiten auf dem Cours*) und auf den Boulevards.

Doch vor dem Paradeplatz und in der Umgegend der Kaſernen führte man eine andere Sprache.

Hier ſah man der Oertlichkeit unbekannte Men⸗ ſchen, Menſchen mit verſtändigem Geſicht und verſchleier⸗ tem Auge, bei jedem Anlaß geheimnißvolle Rathſchläge austheilen, die ſchon ſehr ernſten Nachrichten übertrei⸗ ben und beinahe öffentlich Propaganda mit den meu⸗ teriſchen Ideen treiben, welche ſeit zwei Monaten Paris in Bewegung ſetzten und die Vorſtädte aufwiegelten.

Um dieſe Menſchen bildeten ſich düſtere, feindſelige, belebte Gruppen, die man an ihr Elend, an ihre Lei⸗ den, an die brutale Verachtung des Königthums er⸗ innerte.

Was hat das Volk in den acht Jahrhunderten, die es kämpft, erlangt? Nichts. Keine ſocialen Rechte; keine politiſchen Rechte: das der Kuh des Pächters, der man ihr Kalb nimmt, um es auf die Schlachtbank zu bringen; ihre Milch, um ſie auf dem Markt zu ver⸗ kaufen, ihr Fleiſch, um es in die Metzig zu führen, ihre Haut, um ſie in der Gerberei zu trocknen. Durch die Noth gedrängt, hat die Monarchie endlich nach⸗

*) Cours, Corſo, ein Spazierplatz in Verſailles.