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hielt; nehme ſie auf, wer will, drucke ſie, wer kann; wir haben nicht den Muth dazu.
„Man muß den König nicht lange richten,“ ſagte er,„man muß ihn tödten.
„Man muß ihn tödten, denn es gibt keine
Geſetze mehr, um ihn zu richten; er hat ſie ſelbſt ver⸗
nichtet.
„Man muß ihn tödten wie einen Feind; man richtet nur die Bürger. Um den Tyrannen zu richten⸗ müßte man ihn zuerſt wieder zum Bürger machen.
„Man muß ihn tödten wie einen Schuldigen, der auf der That, die Hand im Blute, ertappt worden iſt; das Königthum iſt überdies ein ewiges Verbrechen: ein König iſt außer der Natur; vom Volke zum König keine natürliche Beziehung.“
Er ſprach ſo eine Stunde, mit der Stimme eines Rhetors, mit den Geberden eines Pedanten, und am Ende jedes Satzes wiederholten ſich die Worte, welche mit einem ſeltſamen Gewichte niederfielen und bei den Zu⸗ hörern eine Erſchütterung der des Meſſers der Guillotine ähnlich hervorbrachten, die Worte:„Man muß ihn tödten!“
Dieſe Rede machte eine erſchreckliche Senſation; es war nicht ein Richter, der üicht, iüdem er ſie hörke, bis in ſein Herz die Kälte des Stahls eindringen fühlte!“ Robespierre ſelbſt erſchrak, als er ſeinen Zögling, ſeinen Schüler ſo weit jenſeits der vorgerückteſten republikani⸗ ſchen Vorpoſten die blutige Fahne der Revolution auf⸗ pflanzen ſah.
Von da an war der Proceß nicht nur beſchloſſen, ſondern Ludwig XVI. war ſogar verurtheilt.
Es verſuchen, den König zu retten, hieß ſich dem Tode weihen.
Danton hatte den Gedanken hiezu, er hatte aber nicht den Muth; er hätte Patriotismus genng gehabt, um den Namen eines Mörders zu reclamiren, er hatte


