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Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 27.-33. Bändchen (1855) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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des Geſichtes betrifft, das waren blaue, ſtarre, harte, durch ſchwarze Brauen ſtark abgeſperrte Augen, ein weißer, eher kränklicher als reiner Teint: ſein Aufent⸗ halt in Rheims konnte wohl dem Rechtsſtudenten die ſerofulöſe Krankheit gegeben haben, welche die Könige am Tage ihrer Salbung zu heilen die Prätenſion hatten; ein Kinn, das ſich in einer ungeheuren Cravate verlor, die feſt um den Hals gebunden war, während ſie die ganze Welt loſe, gleichſam ſchwebend trug, als wollte man dem Hen⸗ ker jede Leichtigkeit, ſie aufzuknüpfen geben; ein Rumpf ſteif, automatiſch, lächerlich als Maſchine, wenn er nicht erſchrecklich als Geſpenſt wurde. Alles dies bekränzt mit einer ſo niedrigen Stirne, daß die Haare bis auf die Augen herabgingen.

Camille Desmoulins ſah alſo eines Tages die fremde Geſtalt bei ſich eintreten; ſie war ihm äußerſt antipathiſch.

Der junge Mann las ihm ſeine Verſe vor und ſagte ihm, unter anderen ſocialen Gedanken, die Welt ſei leer ſeit den Römern.

Die Verſe ſchienen Camille ſchlecht, der Gedanke ſchien ihm falſch; er ſpottete über den Dichter, er ſpot⸗ tete über den Philoſophen; und der Dichter⸗Philoſoph kehrte in ſeine Einſamkeit in Blérancourt zurück und ſchlug wie Tanquinius, ſagt Michelet, der große Por⸗ traitiſt von dieſer Art von Leuten,und ſchiug Mohn⸗ köpfe mit einem Stabe ab, in einem vielleicht Desmou⸗ lins, im andern Danton.

Die Gelegenheit kam indeſſen: die Gelegenheit fehlt gewiſſen Menſchen nie. Sein Dorf, ſein Flecken, ſein Städtchen, Blérancourt war bedroht, einen Markt zu verlieren, der ihm zu leben gab; ohne Robespierre zu kennen, ſchreibt der junge Mann an Robespierre, bittet ihn, die Reclamation der Gemeinde, die er ihm über⸗ ſchickt, zu unterſtützen, und bietet ihm überdies, um zum