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wenigſtens, daß ſie ihn verehrte, anbetete im religiöſen Sinne des Wortes, dieſen König, dieſen Fürſten, dieſen Menſchen, deſſen materielle Appetite, deſſen gemeine In⸗ ſ ihr oft die Schamröthe ins Geſicht getrieben atten.
Eines Tages trat der König bei der Königin ein
und fand ſie damit beſchäftigt, daß ſie das Zimmer des kranken Dauphin auskehrte.
Er blieb auf der Schwelle ſtehen, ließ ſeinen Kopf auf ſeine Bruſt fallen und ſagte mit einem Seufzer:
„Ah! Madame, welch ein Handwerk für eine Kö⸗ nigin von Frankreich! und wenn man in Wien ſehen würde, was Sie da thun! Wer hätte geglaubt, Sie mit meinem Geſchicke verbindend, werde ich Sie ſo tief hinabſteigen machen?“
„Ei!“ erwiederte die Königin,„rechnen Sie für nichts den Ruhm, die Fran des beſten und des grauſamſt verfolgten Mannes zu ſein?“
Dies antwortete die Königin, und zwar ohne Zeu⸗ gen und nicht glaubend, ſie werde von einem armen Kammerdiener gehört werden, der dem König folgte, der dieſe Worte auffaßte und ſie, wie ſchwarze Perlen, auf⸗ bewahrte, um daraus ein Diadem zu machen, nicht dem Haupte des Königs, ſondern dem Haupte des Verur⸗ theilten!
An einem andern Tage war es Madame Eliſabeth, welche Ludwig XVI., in Ermangelung einer Scheere, mit ihren Schmelzzähnen den Faden ſchneiden ſah, mit dem ſie ein Kleid der Königin flickte.
„Arme Schweſter! welch ein Contraſt mit dem hübſchen Häuschen in Montreuil, wo es Ihnen an nichts fehlte!“
„Ah! mein Bruder,“ antwortete die fromme Jung⸗ frau,„kann ich etwas beklagen, wenn ich Ihr Unglück theile?“
Und Alles das wurde bekannt; Alles das verbrei⸗


