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desſtrafe gegen Jeden, der die Operationen der proviſo⸗ riſchen Regierung hemme.
Danton erhielt Alles, was er forderte.
Hätte er mehr verlangt, er würde mehr erhalten haben.
„Nie,“ ſagt Michelet,„nie war ein Volk ſo weit in den Tod eingetreten. Als Holland, da es Ludwig XIV. vor ſeinen Thoren ſah, kein anderes Hülfsmittel mehr hatte, als ſich unter Waſſer zu ſetzen, ſich ſelbſt zu ertränken, war es in geringerer Gefahr: es hatte Europa für ſich. Als Athen den Thron von Kerxes auf dem Felſen von Salamis ſah, als es das Land verlor, ſich ins Meer warf und nur noch das Waſſer zur Hei⸗ math hatte, war es in geringerer Gefahr: es war ganz auf ſeiner Flotte, mächtig, organiſirt, in der Hand des großen Themiſtokles, und glücklicher als Frankreich hatte es keinen Verräther in ſeinem Schooße.“
Frankreich war desorganiſirt, aufgelöſt, verrathen, verkauft und preisgegeben! Frankreich war wie Iphi⸗ genie unter dem Meſſer von Kalchas. Die Könige im Kreiſe warteten nur auf ſeinen Tod, daß der Wind des Deſpotismus in ihre Segel blaſe; es ſtreckte die Arme gegen die Götter aus, und die Götter waren taub!
Als es aber fühlte, wie es die kalte Hand des To⸗ des berührte, da ging es, durch eine heftige, erſchreck⸗ liche Zuſammenziehung, in ſich ſelbſt zurück, und, ein Lebensvulcan, machte es dann aus ſeinen eigenen Ein⸗ geweiden die Flamme hervorſpringen, welche ein halbes Jahrhundert hindurch die Welt erleuchtete.
Um dieſe Sonne zu trüben, iſt allerdings ein Blut⸗ flecken da.
Der Blutflecken vom 2. September! wir werden bald hiezu kommen, wir werden ſehen, wer dieſes Blut vergoſſen hat, und ob es Frankreich zugerechnet werden muß; vorher wollen wir aber noch, um dieſes Kapitel zu ſchließen, ein paar Seiten von Michelet entlehnen.
Die Gräfin von Charny. VII. 10


