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„Das Volk,“ ſagt ſie,„iſt es müde, nicht gerächt zu ſein. Befürchtet, daß es Gerechtigkeit übt. Um Mitternacht wird man die Sturmglocke läuten. Man braucht ein Criminalgericht in den Tuilerien, einen Richter je für die Section; Ludwig KVI. und Marie Antoinette wollten Blut; ſie mögen das ihrer Trabanten fließen ſehen!“
Dieſe Dreiſtigkeit, dieſes Drängen machen zwei Männer aufſpringen: den Jacobiner Choudieu, den Dantoniſten Thuriot.
„Diejenigen, welche hier die Schlächterei verlan⸗ gen,“ ſagt Choudien,„ſind keine Freunde des Volks; es ſind ſeine Schmeichler. Man will eine Inquiſition; ich werde mich dem bis zum Tode widerſetzen!“
„Ihr wollt die Revolution entehren!“ ruft Thuriot; „die Revolution gehört nicht allein Frankreich: die Re⸗ volution gehört der Menſchheit!“
Nach den Petitionen kommen die Drohungen.
Die Sectionen treten auch ein und ſprechen:
*Iſt binnen drei Stunden der Director des Ge⸗ ſchworenengerichts nicht ernannt, und die Geſchworenen ſind nicht im Stande, zu handeln, ſo wird großes Un⸗ glück in Paris umhergehen.“
Auf dieſe letzte Drohung ſah ſich die Nationalver⸗ ſammlung genöthigt, zu gehorchen: ſie votirte die Er⸗ richtung eines außerordentlichen Tribunals.
Am 17. war das Verlangen geſtellt worden.
Am 19. war das Tribunal geſchaffen.
Am 20. inſtallirte ſich das Tribunal und verur⸗ theilte einen Royaliſten zum Tode.
Am 21. Abends wurde der Verurtheilte vom vor⸗ hergehenden Tage bei Fackelſchein auf dem Carrouſel⸗ Platze hingerichtet.
Die Wirkung dieſer erſten Hinrichtung war übri⸗ gens entſetzlich, ſo entſetzlich, daß der Henker ſelbſt nicht widerſtehen konnte.


