Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 21.-26. Bändchen (1855) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Alle Welt kannte dieſen Mann: er gelangte alſo ohne Schwierigkeit bis in die Wohnung der Königin.

Man meldete den Doctor Gilbert.

Laſſen Sie ihn eintreten, ſagte die Königin mit einer fieberhaften Stimme.

Gilbert trat ein.

Ah! kommen Sie, kommen Sie, Doctor! Ich bin glücklich, Sie zu ſehen.

Gilbert ſchlug die Augen zu ihr auf; es war in der ganzen Perſon von Marie Antoinette etwas Freudiges, Zufriedenes, was ihn ſchauern machte.

Er hätte die Königin lieber bleich und niederge⸗ ſchlagen geſehen, als fieberhaft und aufgeregt, wie ſie war.

Madame, ſagte er zu ihr,ich befürchte, zu ſpät und in einem ſchlimmen Augenblicke zu kommen.

Im Gegentheil, Doctor, erwiederte die Königin mit einem Lächeln, ein Ausdruck, den ihr Mund faſt verlernt hatte,Sie erſcheinen zu rechter Zeit, und Sie ſind willkommen! Sie ſollen etwas ſehen, was ich Ihnen längſt gern gezeigt hätte: einen König, der wahr⸗ haft König!

Madame, entgegnete Gilbert,ich befürchte, Sie täuſchen ſich ſelbſt, und Sie zeigen mir eher einen Platz⸗ commandanten, als einen König.

Herr Gilbert, es iſt möglich, daß wir uns ebenſo wenig über den ſymboliſchen Charakter des Königthums, als über ſo viele andere Dinge verſtehen. Für mich iſt ein König nicht nur ein Mann, der ſagt:Ich will nicht! Es iſt beſonders ein Mann, welcher ſpricht: Ich will]

Die Königin ſpielte auf das bekannte Veto an, das die Lage der Dinge zu dem extremen Punkte ge⸗ führt hatte, wo man ſich nunmehr befand..

Ja, Madame, erwiederte Gilbert,und für Eure