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Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 21.-26. Bändchen (1855) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Man ſah ihn plötzlich während der Gährungen in ſeiner Vaterſtadt, in Folge der Wahl von Mirabeau, hervorkommen.

Er wurde damals zum Secretär der Municipalität ernannt.

Später fanden Unruhen in Arles ſtatt.

Unter dieſen Unruhen erſchien die ſchöne Geſtalt von Barbaroux, dem bewaffneten Antinons ähnlich.

Paris reclamirte ihn; der große Ofen brauchte von dieſem wohlriechenden Rebholze; der ungeheure Tiegel be⸗ durfte dieſes Metalles.

Er wurde dahin geſchickt, um über die Unruhen von Avignon Bericht zu erſtatten; man hätte glauben ſollen, er gehöre keiner Partei an; ſein Herz, wie das der Ge⸗ rechtigkeit, hege weder Haß, noch Freundſchaft: er ſagte die Wahrheit einfach und erſchrecklich, wie ſie war, und indem er ſie ſagte, ſchien er groß wie ſie.

Die Girondiſten waren ſo eben angekommen. Was die Girondiſten von den anderen Parteien unterſchied, was ihnen vielleicht das Verderben bereitete, iſt, daß ſie ächte Künſtler waren: ſie liebten, was ſchön; ſie reichten ihre warme, biedere Hand Barbaronx; dann führten ſie, ganz ſtolz auf dieſe neue Rekrutirung, den Marſeiller zu Madame Roland.

Man weiß, wie beim erſten Anblicke Madame Ro⸗ land von Barbaronx gedacht hatte.

Was Madame Roland beſonders in Erſtaunen ge⸗ ſetzt, war, daß ſeit langer Zeit ihr Mann in Correſpon⸗ denz mit Barbaroux ſtand, und daß die Briefe des jun⸗ gen Mannes regelmäßig, pünktlich, voll Vernunft an⸗ kamen.

Sie hatte weder nach dem Alter, noch nach dem äußeren Anſehen dieſes ernſten Correſpondenten gefragt: es war für ſie ein Mann von etwa vierzig Jahren, mit einem durch das Denken kahl gewordenen Schädel, mit einer durch die Nachtwachen gerunzelten Stirne.