Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 21.-26. Bändchen (1855) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Der Tod war allerdings da, wie bei den Banketten des Alterthums; doch der ſchöne, lächelnde Tod, nicht mit der häßlichen Senſe und der grauenvollen Sanduhr, ſon⸗ dern in der einen Hand ein Schwert, in der andern eine Palme haltend!

Man ſuchte, was man ſingen könnte: das alte Ga ira war ein Geſang des Zornes und des Bürgerkriegs; man brauchte einen patriotiſchen, brüderlichen und dennöch für das Ausland drohenden Ruf.

Wer ſollts der moderne Tyrtäos ſein, der unter dem Dampfe der Kanonen, unter dem Pfeifen der Kugeln die Hymne Frankreichs dem Feinde zuſchleudern würde?

Enthuſiaſtiſch, liebeglühend, patriotiſch, antwortete Rouget 1Isle auf dieſe Frage:

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Und er ſtürzte aus dem Saale.

In einer halben Stunde, während man ſich kaum um ſeine Abweſenheit bekümmerte, war Alles gemacht, Worte und Muſik, Alles war von einem Guſſe, in die Form gefloſſen wie die Statue eines Gottes.

Rouget de l'Isle erſchien wieder, die Haare zurück⸗ geworfen, die Stine mit Schweiß bedeckt, keuchend von dem Kampfe, den er gegen die zwei erhabenen Schwe⸗ ſtern, die Muſik und die Poeſie, beſtanden hatte.

Höret, ſprach er,höret Alle!

Als ſeine Stimme ertönte, wandten ſich Alle um, die Einen ihr Glas in der Hand, die Andern eine bebende Hand in der ihrigen haltend.

Rouget de lIsle begann:

Mons, enfants de la patrie,

Le jour de gloire est arrivé! Contre vous de la tyrannie Létendard sanglant est levé. Entendez-vous dans vos campagnes Rugir ces féroces soldats!

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