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„Was ſollen wir thun, Herr Santerre?“ fragten die Vorſtädter.„Sie wiſſen, daß wir Ihnen gehören! Wo ſind die Verräther? führen Sie uns gegen ſie.“
„Wartet,“ erwiederte Santerre.„Wenn der Augen⸗ blick gekommen iſt!...
„Und der Augenblick kommt?“
Santerre wußte es nicht; doch aufs Gerathewohl antwortete er:
„Ja, ja, ſeid ruhig, man wird Euch davon in Kennt⸗ niß ſetzen.“
Und der Mann, der Santerre folgte, neigte ſich auf den Hals ſeines Pferdes, ſprach gewiſſen Leuten, die er an gewiſſen Zeichen erkannte, ins Ohr und ſagte zu ihnen:
„Am 20. Juni! am 20. Juni! am 20. Juni!“
Und die Leute gingen mit dieſem Datum: auf zehn, zwanzig, dreißig Schritte bildete ſich eine Grupve um ſie, und das Datum kreiſte:„Am 20. Juni!“
Was würde man am 20. Juni thun? Man wußte es nicht; was man aber wußte, war, man würde etwas thun.
Unter der Zahl der Menſchen, denen dieſes Datum mitgetheilt worden, konnte man einige erkennen, die den ſchon von uns erzählten Ereigniſſen nicht fremd ſind.
Saint⸗Huruge, den wir am 5. October Morgens, vom Garten des Palais⸗Royal eine erſte Schaar nach Verſailles führend, haben abgehen ſehen; Saint⸗Huruge, dieſer von ſeiner Frau vor 1789 betrogene Ehemann, in die Baſtille geſetzt, am 14. Juli befreit, und ſich am Adel und am Königthum für ſeine ehelichen Mißgeſchicke und ſeine ungeſetzliche Einkerkerung rächend.
Verriöres,— nicht wahr, Sie kennen ihn?— er iſt uns zweimal erſchienen, dieſer bis ans Kinn geſpal⸗ tene Buckelige der Apokalypſe: einmal in der Schenke von Sovres mit Marat und dem als Frau verkleideten


