258
ner begeben?“ ſagte der König⸗ während er ſich in ſei⸗ nem Lehnſtuhle zurückwarf.
„Ja, Sire; ich ſcheide mit Wonne von dieſer gräu⸗ lichen Stadt und habe nur ein Bedauern: daß ich Sie hier in Gefahr laſſe.“
„In der That,“ ſprach der König mit anſcheinen⸗ der Gleichgültigkeit,„ich kenne die Gefahr, die mich bedroht!“
„Sire,“ ſagte Dumouriez,„Sie müſſen einſehen, daß ich nun nicht mehr aus perſönlichem Intereſſe zu Ihnen rede: einmal aus dem Conſeil entfernt, bin ich auf immer von Ihnen getrennt; aus Treue alſo, im Namen der reinſten Anhänglichkeit, aus Vaterlandsliebe, für Ihr Heil, für das der Krone, der Königin, Ihrer Kinder, im Namen Alles deſſen, was dem Herzen des Menſchen thener und heilig iſt, flehe ich Eure Majeſtät an, ſie möge nicht auf der Anwendung ihres Veto be⸗ ſtehen: dieſe Hartnäckigkeit wird zu nichts nützen, und Sie werden ſich zu Grunde richten, Sire.“
„Reden Sie nicht mehr hievon,“ entgegnete unge⸗ duldig Ludwig XVI.:„mein Entſchluß iſt gefaßt.“
„Sire! Sire! Sie haben mir daſſelbe hier in die⸗ ſem Zimmer vor der Königin geſagt, als Sie mir die Decrete zu ſanctioniren verſprachen.“
„Ich habe Unrecht gehabt, Ihnen dies zu verſpre⸗ chen, und ich bereue es.“
„Sire, ich wiederhole Ihnen,— es iſt dies das letzte Mal, daß ich die Ehre habe, Sie zu ſehen, ver⸗ zeihen Sie alſo meine Freimüthigkeit: ich bin drei und fünfzig Jahre olt und beſitze Erfahrung,— nicht, als Sie mir die Decrete zu ſanctioniren verſprachen, hatten Sie Unrecht, ſondern heute, da Sie ſich weigern, Ihr Verſprechen zu halten, haben Sie Unrecht Man mißbraucht Ihr Gewiſſen, Sire; man führt Sie zum Bürgerkriege; Sie ſind ohne Macht, Sie werden unter⸗ liegen; und die Geſchichte wird Ihnen, während ſie Sie


