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Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 17.-20. Bändchen (1853) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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gelangt ſind, iſt eine Epoche des Haſſes, ich weiß es wohl, aber auch eine Epoche der Liebe. Frankreich gab das Beiſpiel: ein armes, lange Zeit eingekerkertes, in Ketten liegendes Weſen, löſte man es vonſeinen Feſſeln und ſetzte es in Freiheit. Wie Marie Stuart, da ſie aus dem Gfängniſſe kam, hätte es gern einen Kuß auf die Lippen der Schöpfung drücken, die ganze Natur in ihren Armen vereinigen, ſie mit ihrem Hauche befruchten mögen, daß daraus die Freiheit des Landes und die Unabhängigkeit der Welt geboren werden.

Nein, alle dieſe Frauen liebten fromm, alle dieſe Männer liebten glühend: Lucile und Camille Desmoulins, Danton und ſeine Loniſe, Fräulein von Keralio und Robert, Sophie und Condorcet, Vergniand und Fräulein Candeille. Jeder bis auf den kalten einſchneidenden Robespierre, kalt und einſchneidend wie das Meſſer der Guillotine, fühlte ſein Herz zerſchmelzen an dieſem großen Liebesherde.

Und war es denn nicht auch Liebe, ich weiß, weniger reine Liebe,— doch gleichviel, die Liebe iſt die große Tugend der Herzen,— die Liebe von Madame Tallien, die Liebe von Frau von Beauharnais, die Liebe von Frau von Genlis, alle dieſe Liebesleidenſchaften, deren tröſten⸗ der Hauch noch auf dem Schaffot über das bleiche Ge⸗ ſicht der Sterbenden hinſtreifte?

Ja, dieſe ganze Welt liebte in jener beſeligenden Epoche; und man nehme hier das Wort Liebe in jedem Sinne. Die Einen liebten die Idee, die Andern die Materie; Dieſe das Vaterland, Jene das Menſchenge⸗

ſchlecht. Seit Rouſſeau hatte das Bedürfniß, zu lieben,

immer mehr zugenommen; es war, als müßte man ſich beeilen, jede Liebe im Vorüberziehen feſtzunehmen; man hätte glauben ſollen, beim Herannahen des Grabes, des Schlundes, des Abgrundes poche jedes Herz von einem unbekannten, leidenſchaftlichen, verzehrenden Hauche be⸗ wegt, jede Bruſt ſchöpfe ihren Athem am allgemeinen