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Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 17.-20. Bändchen (1853) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Herz hatte ſich geöffnet, und es war wie aus dem Kelche einer Blume ein Wohlgeruch daraus hervorgekommen; ein Geſang ſüß wie der des Vogels in der Tiefe der Wälder zwitſcherte an ihr Ohr. Man hätte glauben ſollen, der Frühling bilde ſich für ihre Einbildungskraft, und auf dem unbekannten Felde, das ſie undentlich hinter dem Nebel erſchaute, der es noch bedeckte, bereite die Hand des mächtigen Maſchiniſten, den man Gott nennt, eine neue Decoration voller duftender Gebüſche, kühler Waſſerfälle, ſchattenreicher Wieſen und fonniger Streif⸗ lichter.

Sie kannte die Liebe nicht, doch ſie errieth ſie, wie alle Frauen. Sie begriff die Gefahr, und Thränen in den Augen, aber lächelnd ging ſie gerade auf einen Tiſch zu und ſchrieb, ohne Zögern, ohne Umwege, an Bancal, zeigte ihm, eine arme verwundete Clorinde, ihre ſchwache Seite, legte das Bekenntniß ab, und tödtete mit demſelben Schlage die Hoffnung, die dieſes Bekenntniß entſtehen machen konnte.

Bancal begriff Alles, ſprach nicht mehr vom Vereine, ging nach England und blieb dort zwei Jahre.

Es waren antike Herzen, dieſe Herzen! Ich dachte auch, es wäre für meine Leſer angenehm, nach allen den Tumulten und allen den Leidenſchaften, die ſie durch⸗ ſchritten haben, einen Augenblick im friſchen, reinen Schat⸗ ten der Schönheit, der Stärke, und der Tugend aus⸗ zuruhen.

Man ſage nicht, wir machen Madame Roland anders, als ſie war,— keuſch in der Werkſtätte ihres Vaters, keuſch am Lager ihres alten Gatten, kenſch bei der Wiege ihres Kindes. In der Stunde, wo man nicht lügt, im Angeſichte der Guillotine ſchrieb ſie:„Ich habe immer meine Sinne beherrſcht, und Niemand hat die Wolluſt weniger gekannt, als ich.“

Und man ſchreibe nicht der Kälte der Frau das Ver⸗ dienſt ihrer Ehrlichkeit zu. Nein, die Epoche, zu der wir