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Erklären wir mit zwei Worten, wie dieſe Dichter⸗ phantaſie und diefes Frauenherz ſo ſehr bei der Politik in's Feuer geriethen: von ihrem Vater als Graveurge⸗ hülfe, von ihrem Manne als Secretär behandelt, in dem vä⸗ terlichen oder dem ehelichen Hauſe nur mit den herben, ſtren⸗ gen Dingen des Lebens in Berührung, betrachtete Ma⸗ dame Roland, durch deren Hände nie ein frivoles Buch gekommen, als eine große Zerſtreuung, als einen herr⸗ lichen Zeitvertreib das Protocoll der Wähler von 89 oder die Erzählung der Einnahme der Baſtille.
Was Roland betrifft,— er war ein Beiſpiel davon, welche Veränderung die Vorſehung, der Zufall oder das Verhängniß durch ein unbedentendes Factum im Leben eines Menſchen oder in der Exiſtenz eines Reiches her⸗ beiführen können.
Er war der Letzte von fünf Brüdern. Man wollte einen Prieſter aus ihm machen, er wollte ein Menſch bleiben. Mit neunzehn Jahren verläßt er das väterliche Haus und durchwandert allein, zu Fuß, ohne Geld, Frank⸗ reich, begibt ſich nach Nantes, tritt bei einem Rheder ein, und bringt es dahin, daß man ihn nach Indien ſchickt. Im Augenblick der Abreiſe, in der Stunde, wo das Schiff unter Segel gehen will, erfaßt ihn aber ein ſo heftiges Blutſpeien, daß ihm der Arzt die See verbietet.
Hätte ſich Cromwell nach America eingeſchifft, ſtatt, durch den Befehl von Karl 1 zurückgehalten, in England zu bleiben, ſo erhob ſich vielleicht das Schaffot von Whitehall nicht; reiſte Roland nach Indien, ſo fand viel⸗ leicht der 10. Auguſt nicht ſtatt!
Da Roland den Abſichten, die der Rheder, bei dem er eingetreten iſt, mit ihm hat, nicht entſprechen kann, ſo verläßt er Rantes und begibt ſich nach Rouen. Hier erkennt einer ſeiner Verwandten, an den er ſich wendet, den Werth des jungen Mannes und verſchafft ihm den Platz eines Manufactnren⸗Inſpectors.


