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wohnte damals in einem Garten, genannt la Platière, von dem er ſeinen Namen annahm. Dieſer Garten lag, in Villefranche bei Lyon. Hier machte Beide der Kano⸗ nendonner der Baſtille erbeben.
Beim Lärmen dieſer Kanonen erwachte Alles, was darin Großes, Patriotiſches, heilig Franzöſiſches lag, im Herzen des edlen Geſchöpfes. Frankreich war nicht mehr ein Königreich, es war eine Nation! es war nicht mehr einfach ein Land, das man bewohnt, es war ein Vaterland! Es kam die Föderation von 1790; die von Vyon ging, wie man ſich erinnert, der von Paris voran. Jeanne Philipon, die im väterlichen Hauſe auf dem Quai de[Horloge alle Tage, wenn ſie aus ihrem Fenſter nach dem tiefen Blau des Himmels ſchaute, die Sonne auf⸗ gehen ſah, der ſie folgen konnte bis zum äußerſten Ende der Champs⸗Elyſées, wo ſie ſich auf die grünen, belaub⸗ ten Gipfel der Bäume zu ſenken ſchien, hatte Morgens um drei Uhr von der Höhe von Fourvidres die andere viel mächtiger verzehrende, viel heller leuchtende Sonue, die man die Freiheit nennt, aufgehen ſehen; von hier hatte ihr Blick dieſes ganze große bürgerliche Feſt um⸗ faßt; von hier war ihr Herz in den Verbrüderungsocean getaucht, und es war daraus, wie Achilles, überall un⸗ verwundbar, eine einzige Stelle ausgenommen, hervor⸗ gegangen. An dieſer Stelle traf ſie die Liebe; doch ſie unterlag wenigſtens der Wunde nicht.
Ganz begeiſtert von dem, was ſie geſehen, ſchrieb ſie am Abend dieſes großen Tags, ſich Dichterin, Ge⸗ ſchichtſchreiberin fühlend, einen Bericht über das Feſt. Dieſen Bericht ſchickte ſie ihrem Freunde Champagneux, dem Oberredacteur des Journal de Lyon. Völlig geblendet von dieſer glühenden Erzählung, ließ ſie der junge Mann in ſeine Zeitung drucken, und am andern Tage hatte das Journal, das gewöhnlich zwölf⸗ bis fünfzehnhundert Exemplare abzog, ſechzigtauſend ab⸗ gesogen.


