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und des Blau entlehnt, ſanfte und zugleich feſte Augen, einen großen Mund, aber geſchmückt mit friſchen Lippen und weißen Zähnen, eine aufgeſtülpte Naſe, eine ſchöne, obgleich etwas ſtarke Hand, eine reiche, üppige, wohlge⸗ bogene Taille, einen wundervollen Hals und die Hüften der Venus von Syrakus⸗
Der Mann war Jean Marie Roland de la Pla⸗ tiore, geboren 1732 in Villefranche, bei Lyon.
Die Frau war Manon Jeanne Philipon, geboren in Vu 1754.
Sie hatten ſich elf Jahre vorher, das heißt 1780 geheirathet.
Wir haben geſagt, die Frau ſei von der Volksrace geweſen; die Namen: Manon Jeanne Philipon deuten auf ihren Urſprung hin; Tochter eines Graveur, gravirte ſi ſie ſelbſt, bis ſie im Alter von fünf und zwanzig Jahren Roland heirathete, der zwei und zwanzig Jahre älter war als ſie; dann verſah ſie Copiſten⸗, Ueberſetzers⸗, Compilators⸗Geſchäfte. Bücher, wie die Kunſt des Torfgräbers, die Kunſt des Wollefabri⸗ kanten, das Wörterbuch der Manufacturen, abſorbirten in einer harten und undankbaren Arbeit die ſchönſten Jahre dieſer Frau mit der reichen Natur, welche Jungfrau hinſichtlich aller Sünden, wenn auch nicht aller Leidenſchaften blieb, nicht aus Unfruchtbarkeit des Her⸗ zens, ondern aus Seelenreinheit.
In dem Gefühle, das ſie ihrem Manne gewidmet, überwog die Ehrfurcht der Tochter die Liebe der Frau. Dieſe Liebe war eine Art von keuſchem Cultus ohne alle phyſiſche Beziehungen; ſie ging ſo weit, daß ſie die gute Frau bewog, die Arbeiten des Tags zu verlaſſen, die ſie in den Nachtſtunden wieder einholte, um ſelbſt das Mahl des Greiſes zu bereiten, deſſen geſchwächter Ma⸗ gen nur eine gewiſſe Art von Nahrung ertragen konnte.
Im Jahre 1789 führte Madam Roland dieſes dunkle, arbeitſame Leben in der vg z. Ihr Gatte


