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Nach einem Augenblick aber that ſie ihre Hände wieder aus einander, ſchüttelte den Kopf und rief:
„Wahrhaftig, ich bin toll!“
Plötzlich hielt ſie inne. Während ſie die Angen in ihre Hände verſenkt hatte, war Charny vor ihr nieder⸗ gekniet.
„Sie! vor mir auf den Knieen, zu meinen Füßen!“ ſprach ſie.
„Habe ich Ihnen nicht geſagt, Andrée, ich komme, um Sie um Verzeihung zu bitten?“
„Auf den Knieen, zu meinen Füßen!“ wiederholte ſe wie eine Frau, welche nicht glanben kann, was ſie ieht.
„Andrée, Sie haben mir Ihre Hand entzogen,“ ſagte Charny.
Und er reichte ihr abermals die Hand⸗
Doch ſie wich mit einem Gefühle, das dem Schre⸗
cken glich, zurück und murmelte:
„Was will das bedeuten?“
„Andrée,“ antwortete Charny mit ſeiner ſanfteſten Stimme,„das will bedeuten, daß ich Sie liebe.“
Andröe drückte ihre Hand an ihr Herz und ſtieß einen Schrei aus.
Dann richtete ſie ſich hoch auf, als ob ſie eine Fe⸗ der auf ihre Füße geſtellt hätte, preßte ihre Schläfe zwi⸗ ſchen ihren beiden Händen und wiederholte:
„Er liebt mich! er liebt mich! Das iſt ja un⸗
möglich!“
„Sagen Sie, es ſei unmöglich, daß Sie mich lie⸗
ben, Andrée, ſagen Sie aber nicht, es ſei unmöglich, daß ich Sie liebe.“
Sie ſenkte ihren Blick auf Charny, als wollte ſie ſich verſichern, daß er wahr ſpreche; die großen ſchwarzen
Augen des Grafen ſagten weit mehr, als ſeine Worte geſagt hatten.


