Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 17.-20. Bändchen (1853) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Angſt von ſich; doch, ohne Kraft gegen ſich ſelbſt, ließ ſie ihre feuchte, ſchauernde Hand in den Händen von Charny.

In tiefer Verlegenheit, nicht wiſſend, wohin ſie ihre Angen wenden, wie ſie den Blick von Charny, den ſie auf ſich geheftet fühlte, fliehen ſollte, der Möglichkeit, zurückzuweichen, beraubt, weil ſie an ihr Betpult ange⸗ lehnt war, ſagte ſie dann:

Ja, ich begreife, mein Herr, und Sie ſind gekom⸗ men, um mir dieſen Brief zurückzugeben?

Deshalb ja, und auch aus einem andern Grunde.

Ich habe Sie ſehr um Verzeihung zu bitten, Gräfin.

Andrée bebte bis in den Grund ihres Herzens; es war das erſte Mal, daß ihr Charny den Titel Gräfin gab, ohne das Wort Fran vorhergehen zu laſſen.

Dann hatte ſeine Stimme den ganzen Satz mit einer Biegung von unendlicher Milde geſprochen.

Um Verzeihung, mich, Herr Graf? Und aus wel⸗ chem Anlaß, wenn ich fragen darf?

Wegen der Art, wie ich mich ſeit ſechs Jahren gegen Sie benommen habe..

Andrée ſchaute ihn mit einem tiefen Erſtaunen an und erwiederte:

Habe ich mich je beklagt, mein Herr?

Nein, Madame, weil Sie ein Engel ſind.

ünwillkürlich verſchleierten ſich die Augen von Andrée, und ſie fühlte ihnen Thränen entquellen.

Sie weinen, Andrée? ſagte Charny.

Oh! rief Andrée in Thränen zerfließend,ent⸗ ſchuldigen Sie mich, mein Herr, ich bin nicht daran ge⸗ wöhnt, daß Sie ſo mit mir ſprechen.. Ah! mein Gott! mein Gott!

und ſie ſank auf ein Canapé und ließ ihren Kopf in ihre Hände fallen.