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„Im Namen der Nationalverſammlung erkläre ich Euch für unwürdig des Namens von Franzoſen, wenn Ihr nicht auf der Stelle zurückweicht und mir dieſen Men⸗ ſchen überlaßt! Ich bin Pétion!“
Und Petion, der unter einer etwas rauhen Hülle eine große Redlichkeit, ein muthiges und loyales Herz ver⸗ barg, ſtrahlte, indem er dieſe Worte ſagte, dergeſtalt in den Angen der Mörder, daß ſie zurückwichen und ihm Herrn von Valory überließen.
Er führte den jungen Mann, indem er ihn unter⸗ ſtützte,— denn ganz betäubt von den Streichen, die er bekommen, konnte ſich Herr von Valory kaum aufrecht halten,— er führte ihn dann bis zum Spalier der Nationalgarden und übergab ihn hier dem Adjutanten Mathien Dumas, der mit ſeinem Kopfe für ihn haftete und ihn in der That unter ſeinem Schutze ins Schloß brachte.
In dieſem Momente hörte Pétion die Stimme von Barnave. Barnave rief um Hülfe, da er nicht mehr genügte, um Charny zu vertheidigen.
Von zwanzig Armen aufgehoben, niedergeworfen, im Staube fortgeſchleppt, hatte ſich der Graf wieder aufge⸗ richtet, ein Bajonnet von einer Flinte geriſſen und ſtieß mit aller Macht gegen die Menge, die ihn umgab.
Doch in dieſem ungleichen Kampfe müßte er bald unterlegen ſein, wären ihm nicht Barnave und dann Pétion zu Hülfe geeilt.
Die Königin hörte dieſe Erzählung in ihrem Bade an; aber Madame Campan, die ihr dies erzählte, konnte ihr ſichere Nachrichten nur von den Herren von Valory und von Malden geben, die man im Schloſſe gequetſcht,
blutig, jedoch im Ganzen ohne gefährliche Wunden, geſehen.
Von Charny wußte man nichts Beſtimmtes; man ſagte wohl, er ſei durch die Herren Pétion und Barnave gerettet worden, doch man hatte ihn nicht ins Schloß zurückkehren ſehen.


