muthwilligen Streich geſpielt, den dieſer dadurch, daß er ihn kräftig an den Ohren zog, zu beſtrafen für geeignet erachtete.
Der König erröthete vor Zorn; die Königin er⸗ bleichte vor Scham. Sie ſtreckte die Arme aus und hob
den Knaben zwiſchen den Beinen von Pétion auf, und
da Barnave dieſelbe Bewegung machte, wie ſie, ſo be⸗ fand ſich der Dauphin, von ihren vier Armen überge⸗ tragen und von Barnave angezogen, bald auf dem Schooße von Barnave.
Marie Antoinette wollte ihn auf den ihrigen zurück⸗ ziehen. „Nein,“ ſagte der Dauphin,„ich bin gut hier.“
Und als Barnave, der die Bewegung der Königin geſehen hatte, die Arme auseinander that, damit ſie in der Ausführung ihres Willens frei wäre, ließ die Köni⸗ gin,— war es Coquetterie der Mutter, war es Ver⸗
führung der Frau,— den jungen Prinzen, wo er war.
Es ging in dieſem Augenblick im Herzen von Bar⸗ nave etwas vor, was ſich unmöglich ſchildern läßt: er war zugleich ſtolz und glücklich.
Das Kind fing an mit dem Jabot von Barnave zu ſpielen, dann mit ſeiner Binde, dann mit den Knö⸗ pfen ſeines Deputirtenrockes.
Dieſe Knöpfe beſonders beſchäftigten den jungen Prinzen; es war ein Wahlſpruch darauf gravirt.
Der Dauphin buchſtabirte die Lettern nacheinander und las am Ende, indem er ſie zuſammenſetzte, die vier Worte: Frei leben oder ſterben.“
„Was will das beſagen, mein Herr?“ fragte er.
Barnave zögerte, zu antworten.
„Das will beſagen, mein Bürſchchen,“ erklärte Petion,„die Franzoſen haben geſchworen, keinem Herrn mehr unterthan zu ſein; begreifſt Du das?“
„Pétion!“ rief Barnave. „Nun! ſo erkläre den Wahlſpruch anders, wenn Du


