90
mann gehauen, deſſen Kopf immer noch am Ende einer Pieke nachgetragen wurde.
Eine Gelegenheit war ihm endlich gegeben: er er⸗ griff ſie mit dem größten Eifer.
Auf die Geberde des Greiſes, auf das Gebet, das er ausſprach, antwortete das Volk durch ein Gebrülle; es warf ſich in einem Nu auf den Prieſter, und er war, ehe Barnave ſeiner Träumerei entzogen worden, auf den Boden geworfen und mit der gräßlichſten Mißhandlung bedroht, als die Königin erſchrocken Barnave zurief:
„Oh! mein Herr, ſehen Sie nicht, was vorgeht?“
Barnave erhob das Haupt, tauchte einen raſchen Blick in den Ocean, wo der arme Greis verſchwunden war, in dieſen Ocean, der in toſenden, ſtürmiſchen Wellen um den Wagen rollte, und rief, als er ſah, um was es ſich handelte, indem er mit einer ſolchen Heftig⸗ keit aufſprang, daß der Schlag ſich öffnete und er hin⸗ ausgefallen wäre, hätte ihn nicht mit einen von jenen Bewegungen des Herzens, welche ſo raſch bei Madame Eliſabeth, dieſe am Rockſchoße zurückgehalten,— er rief: „Oh! Elende, oh! Tiger, Ihr ſeid alſo keine Fran⸗ zoſen, oder iſt Frankreich, das Volk der Braven, ein Mördervolk geworden?“
Die Anrede wird uns vielleicht ein wenig präten⸗ tiös ſcheinen, aber ſie war im Geſchmacke der Zeit. Ueberdies vertrat Barnave die Nationalverſammlungz die oberſte Gewalt ſprach durch ſeine Stimme, das Volk wich zurück, der Greis war gerettet.
Er erhob ſich und ſagte:
„Sie haben wohl daran gethan, mich zu retten; ein Greis wird für Sie beten.“
Und er machte das Zeichen des Kreuzes und ent⸗ fernte ſich.
Das Volk ließ ihn weggehen, beherrſcht durch die
———


