Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 17.-20. Bändchen (1853) Mémoires d'un médecin
Entstehung
Einzelbild herunterladen

89

Das iſt wahr, bemerkte der König;doch dies beweiſt Ihnen, daß der Graf nicht angeſtachelt zu werden braucht, wenn er eine Pflicht zu erfüllen glaubt.

Sie war unſchuldig, das unterlag keinem Zweifel.

Oh! wie ſollte es Barnave machen, daß ihm die Königin den ſchlechten Gedanken verzeihe, den er gegen die Frau gehabt?

Die Königin anreden? Barnave wagte es nicht. Warten, bis die Königin zuerſt ſprach? Zufrieden mit der Wirkung, die die paar Worte, welche ſie geſagt, hervorgebracht, ſprach aber die Königin nicht mehr.

Barnave war wieder ſanft, beinahe demüthig ge⸗ worden; Barnave flehte die Königin mit dem Blicke an; doch die Königin ſchien Barnave keine Aufmerkſamkeit zu ſchenken.

Der junge Mann war in einem von jenen Zuſtän⸗ den nervöſer Exaltation, wo man, um von einer unauf⸗ merkſamen Frau bemerkt zu werden, die zwölf Arbeiten des Hercules unternehmen würde, auf die Gefahr, ſchon bei der erſten zu unterliegen.

Er bat das höchſte Weſen(im Jahre 1791 bat man ſchon nicht mehr Gott), er bat das höchſte Weſen, ihm irgend eine Gelegenheit zu ſchicken, die Augen der könig⸗ lichen Gleichgültigen auf ſich zu ziehen, als plötzlich, wie wenn das höchſte Weſen die Bitte, die man an daſſelbe gerichtet, gehört hätte, ein armer Prieſter, der am Rande der Straße auf das Vorüberfahren des Kö⸗ nigs wartete, näher hinzutrat, um den erhabenen Ge⸗ fangenen beſſer zu ſehen, ſeine von Thränen gefüllten Augen und ſeine flehenden Hände zum Himmel erhob und ausrief:

Sire, Gott bewahre Eure Majeſtät!

Das Volk hatte lange keinen Gegenſtand oder keinen Vorwand gehabt, um in Zorn zu gerathen. Nichts hatte ſich geboten, ſeitdem es in Stücke den alten Edel⸗