Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 17.-20. Bändchen (1853) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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keine Sylbe von dem, was die Königin ſagen würde, verlieren konnte.

Nun, die Gräfin iſt meine alte Freundin, Fräu⸗ lein Andrée von Taverney. Finden Sie nicht, es wäre gut, wenn ich bei unſerer Rückkehr nach Paris Herrn von Charny Urlaub gäbe, damit er ſeine Frau be⸗ ruhigen könnte? Er iſt großen Gefahren preisgegeben geweſen; ſein Bruder iſt für uns geſtorben. Ich glaube, von ihm die Fortſetzung ſeiner Dienſte bei Ihnen ver⸗ langen, Sire, hieße dieſem Ehepaare etwas Grauſames anthun.

Barnave athmete und riß die Augen weit auf.

Sie haben Recht, Madame, erwiederte der König, obſchon ich, offenherzig geſtanden, bezweifle, daß Herr von Charny es annimmt.

Nun! ſagte die Königin,dann wird Jedes von uns gethan haben, was es thun ſollte: wir, indem wir ihm dieſen Urlaub anboten, er, indem er ihn aus⸗ ſchlug.

Die Königin fühlte, gewiſſer Maßen, durch eine magnetiſche Mittheilung, die Gereiztheit von Barnave ſich abſpannen. Er, ein edles Herz, ſah zu gleicher Zeit ſeine Ungerechtigkeit dieſer Frau gegenüber ein und ſchämte ſich derſelben.

Er hatte bis dahin den Kopf hoch und anmaßend getragen, wie ein Richter vor einer Schuldigen, die er zu richten und zu verurtheilen befugt iſt, und, auf eine Anklage antwortend, die ſie nicht errathen konnte, ſagte dieſe Schuldige nun plötzlich das Wort entweder der Un⸗ ſchuld oder der Reue.

Doch warum nicht der Unſchuld?

Wir werden um ſo ſtärker ſein, fuhr die Königin fort,als wir Herrn von Charny nicht mitgenommen haben, und ich, meines Theils, vermuthete ihn ganz ruhig in Paris, als ich ihn plötzlich am Schlage unſe⸗ res Wagens erſcheinen ſah.