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durchdringende Auge von Marie Antvinette darin ent⸗ deckte?
Wir werden es ſogleich ſagen und damit eine von den Tabletten des Herzens in's Licht ſtellen, welche die geheimen Legenden der Geſchichte machen und am Tage der großen Entſcheidungen des Geſchicks mehr in der Wagſchale wiegen, als die officiellen Ereigniſſe.
Barnave hatte die Prätenſion, in allen Dingen der Nachfolger und Erbe von Mirabeau zu ſein; ſeiner Meinung nach war er nun ſchon der Nachfolger und Erbe des großen Redners auf der Tribune.
Es blieb aber ein anderer Punkt.
Wir wiſſen, wie ſich die Sache verhielt, und haben es Allen vor Augen gelegt. Mirabeau war dafür an⸗ geſehen worden, daß ihn der König mit ſeinem Ver⸗ trauen und die Königin mit ihrem Wohlwollen beehrt. Die einzige Zuſammenkunft, die der Unterhändler im Schloſſe von Saint⸗Clond erlangt, war in mehrere ge⸗
heime Conferenzen verwandelt worden bei denen die.
Anmaßung von Mirabeau bis zur Frechheit und die Herablaſſung der Königin bis zur Schwäche gegangen wären. Zu jener Zeit war es Mode, nicht nur die arme Marie Antvinette zu verleumden, ſondern auch dieſen Verleumdungen zu glauben.
Was aber Barnave erſtrebte, war das ganze Erbe von Mirabeau; daher ſein Eifer, ſich zu einem der drei Commiſſäre ernennen zu laſſen, welche zum König ge⸗ ſchickt wurden.
Er war ernannt worden und kam mit der Dreiſtig⸗ keit eines Menſchen, welcher weiß, er werde, wenn er nicht das Talent habe, zu machen, daß man ihn liebe, vei⸗ die Macht haben, zu bewirken, daß man ihn
aſſe.
Das hatte die Königin mit ihrem raſchen Frauen⸗ blicke geahnet, beinahe errathen.
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