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Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 17.-20. Bändchen (1853) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Charny ging zum König hinauf und meldete ihm die Abweſenheit der zwei Anführer der Escorte.

Der König freute ſich hierüber; Charny aber ſchüt⸗ telte den Kopf; wenn er Drouet nicht kannte, ſo kannte er dagegen Billot.

Die Vorzeichen ſchienen indeſſen günſtig. Die

Straßen waren mit Menſchen gefüllt, es ließ ſich aber leicht ſehen, daß dieſe ganze Bevölkerung eine theilneh⸗

mende war. So lange die Läden des Zimmers des

Königs und die des Zimmers der Königin geſchloſſen geblieben, war dieſe Menge, um den Schlaf der Ge⸗ fangenen nicht zu ſtören, geräuſchlos, mit leiſen Tritten, die Hände und die Augen zum Himmel erhebend, und ſo zahlreich umhergegangen, daß man kaum, in ihren Rei⸗ hen verloren, die vier- bis fünfhundert Bauern der Um⸗

gegend ſah, welche beharrlich nicht in ihre Dörfer zu⸗

rückgekehrt waren.

Sobald ſich aber die Läden bei dem erhabenen Fürſtenpaare öffneten, erſchollen die Rufe: Es lebe der König! und:Es lebe die Königin! mit ſolcher Ener⸗

gie, daß, ohne ſich ihren Gedanken mitgetheilt zu haben,

von ſelbſt und jedes auf ſeiner Seite, der König und die Königin auf ihren Balcons erſchienen.

Da waren die Rufe einſtimmig, und ein letztes Mal konnten ſich die zwei Verurtheilten des Geſchicks Illuſion machen.

Oh! es geht Alles gut, ſagte von einem Balcon zum andern Ludwig XVI. zu Marie Antoinette.

Marie Antoinette ſchlug die Angen zum Himmel auf, antwortete aber nicht.

In dieſem Momente verkündigte ein Glockengelänte das Oeffnen der Kirche.

Zu gleicher Zeit klopfte Charny leiſe an die Thüre.

Es iſt gut, ſagte der König,ich bin bereit.

Charny warf einen raſchen Blick auf den König: er war ruhig, beinahe feſt; er hatte ſo viel gelitten, daß