Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 17.-20. Bändchen (1853) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Ich machte mich wieder an die Arbeiten meines Pacht⸗ hofes, fuhr Billot fort.Was lag an meinem Unglück, wenn nur Frankreich glücklich war? Ging der König nicht offenherzig auf dem Wege der Revolution? Sollte er nicht Theil nehmen am Feſte der Föderation? ſollte ich ihn nicht dort wiederſehen, dieſen guten König, dem ich meine dreifarbige Cocarde am 16. Juli gegeben, und dem ich am 6. October beinahe das Leben gerettet! Welche Freude mußte es für ihn ſein, ganz Frankreich, wie ein einziger Menſch die Einheit des Vaterlands beſchwörend, auf dem Marsfelde verſammelt zu ſehen! Ich vergaß auch einen Augenblick, als ich ihn ſah, Alles bis auf Catherine... Nein, ich lüge, ein Vater vergißt ſeine Tochter nicht! Er ſchwor ſeinerſeits auch! Mirſchien wohl, er ſchwöre ſchlecht, er ſchwöre mit dem Ende der Lippen, er ſchwöre von ſeinem Platze aus, ſtatt auf dem Altar des Vaterlandes zu ſchwören. Bah! er hatte geſchworen: dies war das Weſentliche; ein Eid iſt ein Eid! nicht der Ort, wo man ihn ſchwört, macht ihn mehr oder minder heilig, und wenn er einen Schwur gethan hat, ſo hält ihn ein ehrlicher Mann! Der König würde ſeinen Eid halten. Als ich nach Villers⸗Coterets zurückkam, da ich mich nur noch mit Politik zu beſchäftigen hatte, nachdem ich mein Kind verloren, hörte ich allerdings ſagen, der König habe ſich wollen durch Herrn von Favras entführen laſſen, die Sache ſei aber geſcheitert; der König habe mit ſeinen Tanten fliehen wollen, der Plan ſei aber nicht geglückt; der König habe nach Saint⸗Cloud gehen und von da Rouen erreichen wollen, das Volk habe ſich aber widerſetzt; wohl hörte ich Alles dies ſagen, doch ich glaubte nicht daran: hatte ich nicht mit meinen Augen auf dem Marsfelde den König die Hand ausſtrecken ſehen? hatte ich ihn nicht mit meinen eigenen Ohren der Nation den Eid leiſten hören? Wie ſollte ich glauben, ein König, weil er im Angeſichte von dreimalhunderttauſend Bürgern geſchworen, werde ſeinen Eid für minder heilig

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