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ein Monat, zwei Monate, drei Monate, ſechs Monate vergingen, ohne daß ein Strahl der Heiterkeit ihr Geſicht, das meine Augen nicht verließen, aufklärte; eines Morgens ſah ich ſie lächeln, und ich zitterte: ihr Liebhaber ſollte alſo zurückkommen, da ſie gelächelt hatte? Am andern Tage erzählte mir in der That ein Schäfer, der ihn hatte vorüberreiten ſehen, er ſei an demſelben Morgen angekom⸗
men! Ich bezweifelte nicht, er werde am Abend dieſes Tags
bei mir oder vielmehr bei Catherine ſein! Als es Abend geworden war, lud ich auch meine Doppelflinte und ſtellte mich auf den Anſtand...
„Billot!“ rief Charny,„Sie haben das gethan?“
„Warum nicht?“ verſetzte Billot,„ich ſtelle mich wohl auf den Anſtand, um das Wildſchwein zu erlegen, das meine Kartoffeln umwühlt, den Wolf, der meine Lämmer erwürgt, den Fuchs, der meine Hühner umbringt, und ich ſollte mich nicht auf den Anſtand ſtellen, um den Menſchen zu tödten, der mir mein Glück raubt, den Lieb⸗ haber, der meine Tochter entehrt?“
„Als Sie aber ſo weit waren, da wurde Ihr Herz ſchwach, Billot!“ ſagte lebhaft der Graf.
„Nein,“ erwiederte Billot,„nicht das Herz, ſondern das Auge und die Hand; eine Blutſpur bewies mir in⸗ deſſen, daß ich ihn nicht ganz gefehlt hatte; nur, Sie begreifen wohl,“ fügte Billot mit Bitterkeit bei,„zwiſchen einem Geliebten und einem Vater blieb meine Tochter nicht unſchlüſſig. Als ich in das Zimmer von Catherine eintrat, war ſie verſchwunden.“
„Und Sie haben ſie ſeitdem nicht wiedergeſehen?“ fragte Charny.
„Nein, antwortete Billot;„doch warum ſollte ich ſie wiederſehen? Sie weiß wohl, daß ich ſie, wenn ich ſie wiederſähe, tödten würde.“
Charny machte eine Bewegung, während er mit einem Gefühle der Bewunderung gemiſcht mit Schrecken die
mächtige Natur anſchaute, die er vor ſich hatte.
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