Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 17.-20. Bändchen (1853) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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nen Kleidern hatte, als Sie an den Ihrigen haben, Herr Graf. Oh! das war auch ein reizender Knabe, den ich immer noch ſehe, wie er nach dem Colläge von Villers⸗ Coterets ritt, auf ſeinem Grauſchimmelchen, mit ſeinem Korbe an der Hand, und das iſt ſo wahr, daß ich glaube, ich würde an ihn denkend, wenn ich nur an ihn dächte, weinen, wie Sie weinen, Herr Graf! Doch ich denke an den Andern, fügte Billot bei,und ich weine nicht.

An den Andern! was wollen Sie damit ſagen? fragte Charny.

Warten Sie, erwiederte Billot,wir kommen hie⸗ zu. Piton hatte ſich alſo in Paris eingefunden und mir ein paar Worte geſagt, welche mir bewieſen, daß es nicht mehr meine Ernte war, was Gefahr lief, ſondern mein Kind; daß es nicht mein Vermögen war, was vernichtet werden ſollte, ſondern mein Glück! Ich ließ alſo den König in Paris. Da er ein Mann von Treue und Glanben war, wie mir Herr Gilbert ſagte, ſo konnte es nicht fehlen, daß Alles auf das Beſte ging, mochte ich da ſein oder nicht da ſein, und ich kehrte nach dem Pachthofe zurück. Ich glaubte Anfangs, Catherine ſei nur in Todesgefahr: ſie hatte das Delirinm, eine Gehirnentzündung, was weiß ich? Der Zuſtand, in dem ich ſie fand, beunruhigte mich um ſo mehr, als der Doctor mir ſagte, es ſei mir ſo lange, als ſie nicht wiederhergeſtellt, verboten, in ihr Zim⸗

mer einzutreten. Da ich aber nicht eintreten konnte, ſo dachte ich, der arme Vater in ſeiner Verzweiflung, es ſei mir wohl erlaubt, an ihrer Thüre zu horchen. Ich horchte alſo! hiedurch erfuhr ich, daß ſie beinahe geſtorben wäre, daß ſie die Gehirnentzündung hatte, daß ſie faſt wahn⸗ ſinnig war... weil ihr Geliebter abgereiſt! Ich war ein Jahr vorher auch abgereiſt, und ſtatt wahnſinnig darüber zu werden, daß ihr Vater ſie verließ, hatte ſie bei meinem Abgange gelächelt. Ließ ihr mein Abgang nicht die Freiheit, ihren Geliebten zu ſehen?... Cathe⸗ rine kehrte zur Geſundheit zurück, doch nicht zur Freude!