14 Der Chevalier von Harmental.
von Maine vermittelſt eines im Garten aufgeſtellten
Teleſkops die Venus zu betrachten, als plötzlich La⸗
grange Chancel, einer der anweſenden Poeten, deſſen Aeußeres Heimtücke und Bösartigkeit verkündete und wel⸗ cher bisher ſchweigſam und in ſich gekehrt dageſeſſen
hatte, um die Erlaubniß bat auch ſeinerſeits ein Gedicht,
und zwar eine Ode, vortragen zu dürfen. Die Herzo⸗ gin von Maine geſtattete es ihm; er erhob ſich von ſeinem Sitze und ſprach mit düſterem Blicke mehrere von ihm verfaßte Verſe, in welchen er unter zwar verſteckten aber deutlich zu erkennenden Bildern das Betragen und die Lebensweiſe des Regenten mit ſo grellen und grauen⸗ haften Farben ſchilderte, daß ſelbſt die Herzogin von Maine verlegen das Auge ſenkte und, als er geendet hatte, keiner der Anweſenden ſeinem Gedichte Beifall zollte.
Man erhob ſich, empört ob der Indiscretion des Poeten, ſchweigend von der Tafel und folgte der Groß⸗ meiſterin in den Garten. Harmental war der Letzte welcher mit Valef den Saal verließ. Er ſtieß an Lagrange Chancel, welcher zurückgekehrt war um ſchenbuch zu holen.„Erlauben Sie, Herr Chevalier,“ rief der Poet ihn mit ſeinen gelben giftſprühenden Augen anblitzend,„haben Sie etwa die Abſicht über mich hinzuſchreiten?“


