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Neue Novellen : Slg. 2 / [Paul Johann Ludwig Heyse]
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gehalten zu werden. So hatte ich Ruhe; aber der Ort war mir verhaßt, wo die Lüge wie ein Feuer um ſich fraß und ſelbſt Helene Mortens Grab nicht verſchonte.

Ich betrat mein Comptoir nur noch, um mein Geſchäft aufzulöſen. Dann verſchloß ich mein Haus, nahm eine Anzahl von Helenens Büchern mit und reiſte ziellos in die Welt hinaus. Meinen Geiſt in die Nähe des ihrigen aufzuſchwingen, das war der einzige Gedanke, um den mir das Leben noch der Mühe werth ſchien. Ich las all ihre Bücher und lernte die Sprachen, deren ſie mächtig war, und in denen ich bisher nur Phraſen zu machen gewußt hatte. Auch das Zeichnen fing ich an. Nur für die Muſik waren meine Finger nicht mehr jung ge⸗ nug. Nach Hauſe kam ich nur, wenn mein Bücher⸗ vorrath erſchöpft war; dann betrat ich das verlaſ⸗ ſene Zimmer, öffnete dieſe Schränke und nahm neuen Troſt für meine Einſamkeit heraus. So trieb ich es viele Jahre.

Als ich endlich alt genug war, um meinem Körper Ruhe zu gönnen, führte mich der gute Stern

meiner Liebe, der immer reiner über mir aufging,