54 Sſtizzen aus Belgien.
und Gedanken auf die neben ihm kniende Nonne, als nur irgend eine fromme Seele zu dem Gegenſtande ihrer Verehrung erhoben haben konnte. Die Nonne laͤchelte noch einmal mit ſchmerzlicher Feierlichkeit. Der Amerikaner begriff weniger als je, was ſie beabſichtige. Aber es war gewiß etwas Großes. Sie hatte ihn dabei zu ihrem Gehuͤlfen auserkohren— er war an ſie gebunden, ohne daß er wußte wie.
«Ich bin mit Ihnen zufrieden,» begann ſie wie⸗ der.«Ich halte Sie fuͤr einen Mann von Ehre, und dieſes edle Aeußere kann nicht mit einer unedlen Seele verbunden ſeyn. Ich fuͤhle mich ſicher in Ih— ren Haͤnden. Sie ſehen, daß die Regeln meines Or⸗ dens nicht die ſtrengſten ſind; wuͤrde es aber eutdeckt, daß ich ſie verletzte, ſo waͤre es mein Untergang, und ich verletze ſie jetzt. Ich kann fuͤr dieſen Augenblick nicht laͤnger mit Ihnen ſprechen;— was ich ſchon wagte, iſt furchtbar. Finden Sie ſich aber heut Nacht um neun Uhr außen am kleinen Portale ein. Ich werde Sie mit dem Glockenſchlage hereinlaſſen. Die Vesper iſt dann voruͤber, und die Kirche einſam. Sprechen Sie nicht: vertrauen Sie mir. Folgen Sie mir, und rechnen Sie auf meine Dankbarkeit.»
«So darf ich hoffen?»
— Sie duͤrfen alles von einer dankbaren Seele hoffen, die Sie bewundert, und Sie lieben muß, wenn Sie ihr ſo dienen, wie ſie erwartet.—


