Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

215

Er nahm das Hühnchen an den Füßen, hielt es in der Höhe ſeiner Augen, betrachtete es mit Seufzern des Bedauerns und der Begierde, erſtickte ſeinen Wunſch nach Herzensluſt einzubeißen.

So weit war er in ſeiner Prüfung gekommen, und vielleicht ſtand er im Begriff der Verſuchung nachzugeben, als das Geräuſch der Straßenthüre, die ſich in ihren roſtigen Angeln drehte, ſeinen Be⸗ denklichkeiten ein Ende machte.

Der Chevalier ging heroiſch aus dem Kampfe hervor, den ſein Herz gegen ſeinen Magen beſtand. Er ſteckte herzhaft das Hühnchen unter einen Schoß ſeines Schlafrockes und kletterte die Küchentreppe mit einer Behendigkeit und Schnelligkeit hinan, die er in ſeinen fünfundvierzigjährigen Beinen nicht mehr zu finden geglaubt hatte.

Als er aus der Küche ging, wäre er beinahe auf Marianne geſtoßen.

Er warf ſich in die Speiſekammer.

Dort blieb er ganz keuchend, bis Marianne in ihre Küche hinabging, die im Soussol lag, wie man heutzutage ſagt.

Jetzt ſchlich er auf den Zehen mit zurückgehal⸗ tenem Athem hinaus, ſtieg ſeine Treppe, immer zwei Tritte auf einmal, hinauf, kam auf ſein Zim⸗ mer zurück, ſchloß die Thüre wieder, ſchob den Rie⸗ gel vor und ſank auf einen Stuhl.

Die Kräfte verließen ihn.

Fünf Minuten genügten dem Chevalier, um wieder zu ſich zu kommen. Er erhob ſich wieder, trat ans Fenſter, öffnete es entſchloſſen, rief den Hund, der noch immer an demſelben Platz gekauert