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ſchließen gehört und hoffte in der That, die Alte werde ausgegangen ſein.
Dieſe Abweſenheit rief ein lebhaftes Gefühl der Freude in ihm hervor.
In der That hatte der Chevalier, als er ſich zu dieſer guten Handlung entſchloß, eine Strafpre⸗ digt von ſeiner Haushälterin befürchtet, weil er eine Sünde begehe, indem er das Brod des lieben Got⸗ tes einem Hund gebe, während doch ſo viele Arme keines hätten.
Damit iſt jedoch ganz und gar nicht geſagt, daß Marianne in Anwendung dieſes Prinzips mit ihrem eigenen oder mit ihres Herrn Brod im Mindeſten Almoſen gegeben hätte.
Aber der Chevalier hatte ſeinen Entſchluß ge⸗ faßt; der Kopf war ihm warm geworden. Wenn Marianne ſich nur ein Wörtchen erlaubte, ſo wollte er von ſeinem Groll wegen des über ſeinen Kopf ausgegoſſenen Waſſereimers Veranlaſſung nehmen, um ihr mit einer Majeſtät, deren Wirkſamkeit er ſchon mehrere Male erprobt hatte, zu ſagen:
„Marianne, wir können nicht mehr zu⸗ ſammen leben; machen Sie Ihre Rech⸗ nung.“
Nun hatte dieſe Phraſe, wenn ſie mit der ge⸗ bührenden Majeſtät ausgeſprochen worden, ſtets zur Folge gehabt, daß Jungfer Marianne geſchmeidig geworden war wie ein Handſchuh.
Aber ſeit einiger Zeit war Marianne rappel⸗ köpfiſcher als je zuvor, und der Chevalier hatte an⸗ genommen, daß dieſes Uebermaß von übler Laune gegen ihn ſeinen Grund in Anträgen habe, welche


