181
Wenn der Kranke ihm nicht antworiete, ſo rang er die Hände und brach in lautes Schluchzen aus.
Inmitten dieſer Ausbrüche des Schmerzes glaubte Dumesnil, der nicht ſchlief, ſondern nachſann, der Augenblick ſei gekommen, ſeinem Freund die letzten Inſtructionen zu ertheilen.
Der Capitän war ein feſter ſtoiſcher Geiſt; er ſah ohne Furcht— wenigſtens für ſich ſelbſt— dem düſtern Wege entgegen, den er zurückzulegen hatte, und in dieſem Augenblick quälte ihn blos der Gedanke an die Vereinſamung, worin er ſeinen Freund hinterlaſſen ſollte.
„Ei, mein lieber Dieudonné,“ ſagte er zu ihm, „hör doch auf mit dieſem Geſchrei, dieſen Wehklagen und Thränen, die eines Mannes nicht würdig ſind, und laß mich Dir einige Rathſchläge über die Art und Weiſe geben, wie Du Dein Leben einrichten mußt, wenn ich nicht mehr ſein werde.“
Bei den erſten Worten des Patienten hatte der Chevalier wie durch Zauber geſchwiegen. Dumesnil, der ſeit beinahe zwei Stunden nicht geſprochen hatte, ſprach jetzt ſo ruhig, daß man glauben konnte, Gott habe ein Wunder zu ſeinen Gunſten verrichtet; aber als er an die Worte kam:„wenn ich nicht mehr ſein werde,“ da ſtieß Dieudonné ein Verzweiflungs⸗ geſchrei aus, wälzte ſich auf dem Bett des Ster⸗ benden, preßte ihn in ſeine Arme und ergoß ſich in Klagen über die Ungerechtigkeit der Vorſehung und die Härte des Schickſals.
Dem Capitän erlaubte ſeine Erſchöpfung nicht gegen die wilden Schmerzensausbrüche ſeines Freun⸗ des anzukämpfen.


