Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

180

er den Muth des Kranken ſo viel als möglich auf⸗ recht zu erhalten ſuchen ſolle.

Dieſe Anweiſung war unnöthig; der ſtarke Mann war der Kranke, der ſchwache Mann der Geſunde.

Seit der Capitän ſich gelegt, hatte der Chevalier keinen Augenblick ſein Bett verlaſſen und ihm alle Pflege gewidmet, die er ſelbſt aus Veranlaſſung ſeines Beinbruches von ihm empfangen; er über⸗ wachte ihn mit dem Eifer und der Zärtlichkeit einer Mutter, er duldete nicht, daß der Capitän aus einer andern Hand als der ſeinigen eine Taſſe Tiſane empfing. 4

Und in dieſem Benehmen des armen Dieudonné lag etwas ſehr Verdienſtliches, denn er ſtand eine ſolche Angſt aus, daß er zwanzigmal fühlte, wie ihn ſeine Kräfte verließen, und daß er oft auf dem Punkt war ſeinen Poſten aufzugeben und aufs Gerathewohl zu entfliehen, um die Leiden ſeines Freundes nicht mehr anſehen zu müſſen. Man hat geſehen, daß er bei der einfachen Berührung mit dem Blut des Capitäns in Ohnmacht gefallen war.

Noch weit ſchlimmer war es jetzt, nachdem der Doctor dem armen Chevalier geſtanden hatte, daß keine Hoffnung mehr vorhanden ſei. Wenn der Patient ſich in ſeinem Bett herumwarf, brach dem Chevalier am ganzen Leib der kalte Schweiß aus; wenn dagegen Dumesnil einſchlummerte, ſo betrach⸗ tete Dieudonné dieſen Zuſtand als ein höchſt beun⸗ ruhigendes Symptom, ſchüttelte den Kranken und fragte ihn:

Wie befindeſt Du Dich? antworte mir; ei, ſo antworte mir doch.